Schokolade und Rotwein

Heute ist so ein Tag – wo ich mich nach dem Moment sehne, wo die Kinder im Bett sind und alles wieder gut wird. Wo ich es mir auf dem Sofa gemütlich machen kann, ohne gleich wieder einen Streit schlichten oder eine Nase abwischen zu müssen. Wo ich, statt Kuchen zu backen oder Etagèren zu bohren oder beides, einfach nur noch müde bin und das Gefühl habe, mich richtig erholen zu müssen. Wo ich mich nach Schokolade und einem Glas Rotwein sehne!

Das Lustige (haha) ist, dass ich oft gar nicht mehr richtig weiss, warum ich mich so gestresst, ärgerlich oder bedrückt fühle. Es ist eine schwammige Empfindung, dass dieses Gefühl das Resultat von Tausend Kleinigkeiten ist, die sich über den Tag verteilt haben, um sich jetzt gemein zu verstecken, damit ich ihnen auf keinen Fall auf die Schliche komme.

Natürlich versuche ich es trotzdem.

Da war zuerst meine eigene Müdigkeit. Statt zu putzen und aufzuräumen, wie ich es vorhatte, trottete ich halbwach von einer Aktivität zur anderen.
Da war die Müdigkeit meines Drittältesten, die ihn halbschlafend von Aktivität zu Aktivität schleichen liess. Immer begleitet von meinen Zurufen: „Komm!“, „Mach schnell!“, und so weiter und so fort.
Da war die Unordnung im Erdgeschoss unseres Hauses und meine Unlust, diese zu beseitigen.
Da war mein Erstgeborener, der von einem Waldtag nach Hause kam und zuallererst gleich ausrastete, als etwas nicht seinem Willen entsprach. (Und das trotz feiner Wurst zum Mittagessen!)
Da war der grosse schwedische Laden, in dem meine vier wunderbaren Kinder ihre allerausgelassenste Seite zeigten und mich mit dem Gefühl zurückliessen, ihrem Treiben hilflos ausgeliefert zu sein.

So betrachtet, war das heute wirklich ein Tag zum Vergessen.

Aber da war der Brief, den mein Erstgeborener mir schrieb, in dem er alles beschrieb, was er heute im Wald erlebt hatte, inklusive „die Müken haten generft“.
Die Worte „Du bist lieb“ meiner Jüngsten und ihr weiches Händchen in meiner Hand.
Die Umarmung meines Mannes.

Wenn ich genau hinsehe, entdecke ich Gottes Spuren mitten in meinem Alltag. Seine Liebesbotschaften. Es erfordert genaues Hinschauen, aber das verändert alles.

***

Wo ich auch stehe, du warst schon da.
Wenn ich auch fliehe, du bist mir nah.
Was ich auch denke, du weißt es schon.
Was ich auch fühle, du wirst verstehn.

Und ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.
Und dass du mich beim Namen nennst und mir vergibst.
Herr, du richtest mich wieder auf,
und du hebst mich zu dir hinauf.
Ja, ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.

Du kennst mein Herz, die Sehnsucht in mir.
Als wahrer Gott und Mensch warst du hier.
In allem uns gleich und doch ohne Schuld.
Du bist barmherzig, voller Geduld.

Und ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.
Und dass du mich beim Namen nennst und mir vergibst.
Herr, du richtest mich wieder auf,
und du hebst mich zu dir hinauf.
Ja, ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.

Albert Frey

Ein Gedanke zu „Schokolade und Rotwein

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