Was ist, darf – sein?…!?

Eine liebe Freundin – sie war zu der Zeit eine wichtige geistliche Mutter für mich – sagte mir diesen Satz einmal. „Was ist, darf sein.“

Was ist, darf sein? Meine spontane innere Reaktion auf diesen Satz war: „Kann es so einfach sein?“ Ich glaubte es nicht. Es kann doch nicht sein, dass Unrecht „sein darf“. Es kann auch nicht sein, dass… Unklarheiten, Fehler, Unsicherheiten, falsche Entscheidungen, fragwürdige Haltungen – dass das alles sein darf?

Wo kämen wir denn da hin?!

Wenn alles sein darf, was gilt dann noch? Woran kann ich mich festhalten? Woran orientieren? Es muss doch ein „Richtig-Falsch“ geben? Man muss doch Busse tun, wenn man etwas Falsches gemacht hat! Umkehren! Genau das ist doch der Plan, und so ist es doch gedacht?

Gerade in Zeiten, in denen ich mich selber häufig, wenn nicht ständig verurteile – und in so einer Zeit bin ich grad drin, offensichtlich für jeden, der meinen Blog liest – wäre es für mich am hilfreichsten, 100 Mal am Tag reumütig alle meine Sünden zu bekennen, die Absolution zu empfangen und weiterzumachen. Getreu dem Motto: Hinfallen, Aufstehen, Weitergehen. Hinfallen, Aufstehen, Weitergehen. Ach ja, die Krone. Richten!

Ich bin in einer Zwickmühle. Genau das habe ich vor einigen Tagen geschrieben, und nun hinterfrage ich genau das? –

Oder geht es vielleicht um etwas Anderes?

Als tatkräftige Weltverbesserin, die Herausforderungen liebt und sie meist nicht meidet, sind klare Anweisungen hilfreich. Es wäre hilfreich zu wissen, welches Verhalten erwünscht ist und welches nicht. Und dann entsprechend zu reagieren! Das lernt man doch in jedem Jüngerschaftskurs! Das Gewissen – und/oder der Heilige Geist – führen mich „eigentlich“ auf eine geniale Art und Weise.

Nur: Irgend etwas scheint im Moment nicht zu funktionieren. Es „klappt“ einfach nicht mit diesem Wieder-Aufstehen, mit der Krone und dem Weitergehen. Das heisst, es klappt schon – und zwar ungefähr zehn oder gar fünfzehn Minuten lang. Ich glaube, einmal waren es sage und schreibe 21 Minuten!… Könnte es sein, dass es um etwas Anderes, Tieferes geht?

Könnte es womöglich sein, dass die ganze Umfall-Aufsteherei eigentlich ein Nicht-Akzeptieren meiner eigenen Schwachheit ist? Eine Unfähigkeit, auch nur andeutungsweise anzunehmen, dass es sich nicht um beliebige, austauschbare „SündeN“, sondern um mein ganzes Sein handelt? Also um etwas Grundsätzliches? Ein schwieriger Gedanke.

Was ist, darf sein.

Eine andere liebe Freundin ermutigt mich mit einer Nachricht, dass ER, der Friedefürst, für ALLES gestorben ist und ALLES im Grab gelassen hat. Eigentlich nichts Neues. Ich weiss das! Aber WEISS ich es wirklich? Weiss es meine Seele?

Langsam macht sich eine Erkenntnis breit – nein, das trifft es nicht. Am Horizont erscheint ganz undeutlich ein neues Bild. Ein Bild von mir selber in Schwachheit, Unfähigkeit, Armut. Brr, es schüttelt mich! Ich will das nicht anschauen! Viel, viel lieber sehe ich mich selber als leistungsfähig, stark, alles „noch schnell“ schaffend. Ich liebe Geschwindigkeit, wenn es vorwärts geht, Siege, Herausforderungen. Und nun… spüre ich, dass es wieder in die Tiefe, in die Stille geht?

Was ist, darf sein.

Die Erkenntnis ist noch nicht Fleisch und Blut geworden. Es ist immer noch mehr eine Ahnung, ein innerer Eindruck, dass genau diese Schwachheit und dieses Unvermögen, meine leeren Hände das sind, was Er sucht. Der Ort, an dem Er mir begegnen will. Alle meine Versuche, mich durch Umkehr und Busse selber zu verändern oder im besten Fall verändern zu lassen, sie können nicht verhindern, dass der Hirte mich an stille Wasser führt, wo Er mir nochmals in einer anderen Tiefe begegnen will.

Kann ich das zulassen?

„Denn wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.“ Daniel 9,18

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