Aufräumen

„…Es macht mir Mühe, wenn es unaufgeräumt ist…“ – Heute habe ich erlebt, wie wohltuend es ist, wenn AUFGERÄUMT ist. Durch glückliche Umstände hatte ich heute Vormittag Zeit, das Haus zu putzen. Den dreckigen Böden, dem Schmutz im Badezimmer – all dem ging es heute an den Kragen. Auch wenn Putzen etwas Anstrengendes ist, finde ich es immer auch etwas sehr Lohnenswertes. Für gefühlte fünf Minuten ist das Haus sauber, alles sieht ordentlich aus – kurz, alles ist, wie es sein sollte.

Ich gebe mich nicht der Illusion hin, das dies eine Woche lang so bleibt. Aber die Zufriedenheit ist echt. Ein aufgeräumtes, sauberes Haus löst Glücksgefühle in mir aus. Ich fühle mich, als hätte ich das Leben im Griff. Unter Kontrolle! Als wäre ich es, die in meinem Leben bestimmt. Ein nicht zu unterschätzendes Gut!

Heute hatte ich – das kommt nicht alle Wochen vor – sogar Zeit, das Zimmer meines Ältesten aufzuräumen. Während ich mich im Zimmer unseres Zweitältesten pudelwohl fühle, machen mir die Tausende von Gegenständen, die zu 90% nicht gebraucht werden (wohin damit???), fast Angst. Wenn ich nachts das Fenster öffne, trete ich mit jedem zweiten Schritt gegen Ritterburgen, Seile, Taschenlampen, die nicht funktionieren, Bälle und vieles mehr. Schrecklich! Aber heute hatte ich Zeit, all diese Dinge zu sortieren, einiges wegzupacken, zu verräumen, anzuordnen. Das Zimmer war fast leer – alle vollgestellten Flächen konnte man wieder sehen, die Regale beinhalten nur noch, was sie sollen, und in den Schubladen kann man zumindest ansatzweise eine Sortierung erkennen. Das Schönste war die Reaktion meines Sohnes, als er heimkam: „DAAAAANKE, Mami!!!!“ Aha, ganz wohl war ihm also auch nicht. Gut zu wissen.

Nach dieser Aktion gönnte ich mir glücklich einen Kaffee und setzte mich dazu hin. Es war nicht nur das Haus, das eine Zimmer und zwei Schrank-Tablare in der Küche. Am Vortag hatte ich auch mit einer Freundin „aufgeräumt“ – Dinge geklärt, wo unsere Kommunikation zu falschen Schlüssen geführt hatten. Dies hatte mich zwei Tage lang unterschwellig bedrückt. Das Gefühl des Aufgeräumt-Habens koste ich jetzt, etwa elf Stunden später, immer noch aus. Und ich überlege, wie schnell es geht, dass man sich mit Ballast vorwärts schleppt, der längst überfällig ist.

Natürlich kann ich nicht jedes Missverständnis, jede Unklarheit sofort ausräumen. Ich kann auch nicht jeden Tag drei Stunden lang ungestört putzen und aufräumen, selbst wenn ich es noch so gerne täte. ABER ich vermute, dass es einen Zustand des Aufgeräumt-Seins (im Gegensatz und in der Ergänzung zum Aufgeräumt-Haben) gibt, der auch im Trubel und in der Hektik des Alltags möglich ist.

Ich glaube, es sind die kleinen Momente, wo wir erinnert werden an Gottes Verheissung, dass Er da ist. Es sind die wenigen Minuten, in denen wir uns fragen, was genau uns verletzt, geärgert, gestört, traurig gemacht hat. Dieses Innehalten wird beantwortet. Wenn ich mich daran erinnere, zu fragen!

Es bewirkt in mir nicht nur ein Gefühl des „Im-Griff-Habens“, sondern geht weit darüber hinaus. Es stärkt mein Vertrauen, dass es eine Brücke gibt zwischen dem, wer ich bin (siehe letzter Eintrag) und dem, was ich sein darf auch für meine Kinder. Es stärkt mein Vertrauen, dass Er, der mich erschaffen hat, so viel grösser ist als alle meine Vorstellungen, Wünsche, Ängste, Sorgen. Es stärkt mein Vertrauen, dass ER die Kontrolle über alles hat, und dass ich in seiner Hand einfach geborgen sein darf. Dafür bin ich mehr als dankbar.

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