Der Herbst und die Ewigkeit

Gestern Vormittag schien die Sonne in die Küche, und ich hatte die Zeit und die Ruhe, um mich hinzusetzen und das Licht zu geniessen. Dabei schaute ich aus dem Fenster. Es kam gerade ein Windstoss, der Dutzende von Blättern unserer Birke im Garten wegwehte. Im Sonnenlicht leuchteten sie in zartem Gelb-Orange. Ein wunderschöner, herbstlicher Moment.

Herabfliegende Blätter erinnern mich wie wenig andere Dinge an die Vergänglichkeit unseres Seins. Kein Gedanke, der mich beunruhigt, sondern einer, der mich bewegt und mir die Gegenwart umso kostbarer macht.

Was bleibt zurück? Wenn ich meinen Alltag anschaue, stelle ich fest, dass sich ganz viele Dinge um die Gegenwart drehen. Das ist selbstverständlich nicht falsch, denn ich möchte ja im Jetzt leben und nicht immer schon weit weg sein mit meinen Gedanken. Aber die Gegenwart – der Alltag – hat seine Tücken. Viele Dinge, mit denen wir uns beschäftigen, möchten uns glauben machen, dass sie unendlich wichtig sind. Ich persönlich denke da sofort an Ordnung und Sauberkeit, wohlerzogene Kinder, die nicht streiten, die Zubereitung der nächsten Mahlzeit und daran, wann Kind Nummer vier es wohl schaffen wird, die Toilette grundsätzlich vor einem gewissen Ereignis zu erreichen. Es gibt Kinderkrankheiten, die ich nicht einordnen kann, Schulmüdigkeit, aggressives Verhalten und immer wieder Streit. Ich mache mir Gedanken darüber, welchen Geburtstagskuchen ich für welches Kind backen soll und wie ich ihn dekorieren möchte. All diese Dinge sind überhaupt nicht unwichtig, und genauso wenig ist es falsch, sich darüber Gedanken zu machen. Wir sind zwar nicht „von dieser Welt“, leben aber „in dieser Welt“. Täglich, mit ganzem Herzen.

Wie gesagt: Das Hinterlistige an all diesen an und für sich guten und wichtigen Dingen ist, dass sie uns weismachen möchten, dass sie die wesentlichen Dinge sind. Oft haben sie als Hauptargument noch einen Termin, an dem sie erledigt sein müssen. Die Gefahr dabei ist, dass ich mich in diesen Dingen verliere, sie zu meinen Prioriäten mache und so durchs Leben hetze. Mich frustrieren lasse, wenn etwas nicht funktioniert.

Ich erinnere mich an die leuchtenden fallenden Blätter und überlege mir, was die Alternative ist. Leider fällt mir kein Trick ein, mich von meinen Alltagssorgen zu lösen. „Nur“ ein Bibelvers kommt mir in den Sinn: Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein. Mt 6,22.

Was ist mein Schatz?

Ich gebe es zu, ein aufgeräumtes Haus bedeutet mir sehr viel. Ich fühle mich bei Unordnung nicht wohl, und die ist allgegenwärtig. Wenn meine Tochter mit dreckigen Händen durchs Haus rennt, jage ich ihr nach! Wenn Milch ausleert, putze ich sie auf. Ich halte mich an meinen wöchentlichen Putztag, und er ist mir wichtig.

Das ist schön.

Trotzdem: Es sind andere Fragen, die ich mir stellen muss. Zum Beispiel:

  • Was möchte ich meine Kinder lehren?
  • Was möchte ich meinen Kindern auf ihren Weg mitgeben?
  • Was will ich ihnen vorleben?

Eigentlich möchte ich, dass meine Kinder Menschen werden, die dankbar sind (und nicht einfach „Danke“ herunterspulen, wenn es gefragt ist), ehrlich, liebevoll, mitfühlend, hilfsbereit. Eigentlich wünsche ich mir in erster Linie, dass sie Gott von ganzem Herzen lieben und Ihm nachjagen. Dass sie Seine Stimme hören und sich nach Seiner Gegenwart sehnen. Dass sie das Echte vom Unechten unterscheiden können.

Wenn ich in der Ruhe bin, kann ich gleich für diese Dinge beten, und, mindestens ebenso wichtig, sie selber leben. Solche Momente lösen eine grosse Dankbarkeit in mir aus und eine heilige Ehrfurcht angesichts der grossen Verantwortung, die Gott mir zutraut. Er hat vier Kinder in unsere Obhut gegeben!

Wenn ich im Ärger bin, im Stress oder unter Druck, muss es ein einfaches „Hilf mir, Jesus“ oder ein „Jesus, erbarme dich“ tun. Und es tut es!

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