Holy Moments

Unter einem „Holy Moment“ verstehe ich grundsätzlich so etwas wie letzte Woche, als ich auf dem Sofa sass, ein untröstliches Kind im Arm, und einem wunderbaren Anbetungslied zuhörte, Gottes Gegenwart spürte und eine heilige Ehrfurcht vor dem Wunder Mutterschaft empfand.

Heute Abend erlebte ich etwas völlig anderes. Kaum zuhause, brach das Chaos aus. Ein Kind weinte herzzerreissend (Grund unbekannt), ein anderes weigerte sich, ins Haus zu kommen (Grund unbekannt), zwei lagen sich lautstark in den Haaren (Grund: ebenfalls unbekannt). Das Gefühl, das mich überkam, war Hilflosigkeit. Ich fühlte mich ausgeliefert, machtlos und ohnmächtig. Als hätte ich überhaupt nichts mehr unter Kontrolle. Und: Was das Verhalten der Kinder anging, hatte ich die Kontrolle definitiv verloren.

Hilflosigkeit ist ein Gefühl, das ich gar nicht mag. Ich reagiere darauf meist mit einem anderen Gefühl, das unförderlicher nicht sein könnte: Wut und Aggression. Demzufolge wurde es in den nächsten paar Minuten laut bei uns zuhause. Also: LAUT!!!

Die Situation normalisierte sich – nicht dank meiner Intervention, sondern trotz meiner Intervention. In mir köchelte die Wut leise weiter: „Immer macht…!!!“ – „Warum ist immer…???“ Dieser Abend ist nun so in meiner Erinnerung verankert: Wut, Schimpfen, Herunterkommen, erneute Wut, erneutes Schimpfen, erneute Beruhigung… und tief drinnen ein Gefühl des Versagens, der Trauer, der Ohnmacht.

Alle Kinder sind nun im Bett. Eine Geschichte habe ich nicht mehr vorgelesen, da ich zu wütend, zu enttäuscht, zu frustriert war. Dies hat zwei meiner Kinder ziemlich verstört. Ein anderes Kind räumt inzwischen den Tisch ab. Das Abräumen geht lange. Sehr lange. Ich schicke das langsame Kind ohne ein gutes Wort nach oben, schlage die Türe hinter mir zu, setze mich aufs Sofa und weiss nicht, welchem Gefühl ich mich hingeben soll: Der Wut über das Verhalten meiner Kinder, der Wut über mich selber, der Traurigkeit über das Verhalten meiner Kinder, der Traurigkeit über mein eigenes Verhalten. So sitze ich da und überlege, ob ich ein Glas Rotwein trinken und früh ins Bett gehen soll, oder ob es noch mehr gibt.

Da, ein Impuls. Ich gehe hoch und schaue nochmals nach meinen Kindern. Drei von vier schlafen schon. Als ich sie so liegen sehe, ins Bett gekuschelt, eines mit dem Daumen am Mund, spüre ich eine starke Liebe, und gleichzeitig Trauer über den Verlauf dieses Abends, namentlich über mein Versagen. Mit dem noch wachen Kind kann ich reden. Es spricht über seine Traurigkeit wegen seines Unvermögens, gehorsam zu sein. Ich spüre, dass es selber darunter leidet, so rebellisch und ungehorsam zu sein. Ich kann dem Kind genau nachfühlen, was es empfindet. Es geht mir genau gleich! „Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich…“ (Röm 7,19) Wir beten zusammen und bitten DEN um Hilfe, der unsere Hilfe IST.

Zurück auf dem Sofa, sehe ich in einem inneren Bild Jesus, der jedes meiner Kinder umarmt. Zum Schluss wendet er sich zu mir, und umarmt auch mich. Ein heiliger Moment.

2 Gedanken zu „Holy Moments

  1. Hab deinen Blog heute durch deinen Kommentar bei smoorbaer entdeckt, lese mich jetzt hier rückwärts durch alles und erkenne mich so oft wieder, – leider gerade auch in diesem Beitrag – aber das tut gut. Nicht die einzige Mama zu sein die so ist, aber auch wie du es jeweils mit deinem Glauben in Verbindung bringst. Vielen Dank für deine Ehrlichkeit. Schön, mal so ein Mama-Blog, und auch ganz ohne perfekte Fotos 😉
    Herzliche Grüße aus Süddeutschland & Gottes Segen!
    Angela

    Gefällt 1 Person

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