Ben-Oni

Aber Rahel spürte, dass sie sterben musste. Darum nannte sie den Jungen Ben-Oni („Schmerzenskind“), Jakob jedoch gab ihm den Namen Benjamin („Glückskind“). 1Mose 35,18

Wenn dich alle

{Ich weiss, wie es funktioniert}’s und alle
{Hatten wir schon}’s

höhnisch angrinsen, dann weisst du, dass zu zwei Möglichkeiten hast: Entweder du kehrst die Situation mit Gewalt und Kontrolle um, oder du gibst dich geschlagen und schaust, was für dich darin bereit liegt. Oder aber du machst es wie ich: Du probierst es mit Möglichkeit Eins, und wenn dies nicht funktioniert, ziehst du Möglichkeit Zwei in Betracht.

Möglichkeit Eins hat ü-b-e-r-h-a-u-p-t nicht funktioniert. Nichter als nicht. Warum ich es immer wieder versuche, kann ich auch nicht sagen. Ich scheine in einigen Punkten eine gewisse Hartnäckigkeit Unbelehrbarkeit aufzuweisen. Vielleicht versuche ich es deshalb, weil es manchmal so wirkt, als würde es funktionieren. Das sind dann diese kleinen Siege mit bitterem Nachgeschmack, die niemanden wirklich glücklich zurücklassen.

Aber was heisst denn Möglichkeit Zwei genau? Vordergründig waren da Gefühle wie Ärger und Wut sowie Ohnmacht. Meine Reaktion auf diese Gefühle (die sogenannte „Handlungsebene“) möchte ich hier lieber auslassen. Es war ein einziges grosses Desaster, das sich sogar von Minute zu Minute noch zu steigern vermochte.

Zuerst hiess das, mein eigenes Unvermögen auszuhalten. Dieses grottige Gefühl, total*komplett*vollständig versagt zu haben. Das allein finde ich schon recht herausfordernd. ABER als Gotteskind habe ich die wunderbare Möglichkeit, alles Ungute, Schmerzhafte und Grottige jemandem zu geben, dem Himmlischen Vater, der „nettesten Person auf der Welt“ (Graham Cooke). Das ist mehr als tröstlich, das ist echter Trost, echtes Verstehen, echte Wiederherstellung und Heilung. „Schauen, was für mich darin bereit liegt“ heisst aber noch etwas mehr. Es heisst, sich Fragen zu stellen:

  • Was genau hat mich provoziert?
  • Worin ist mein Ärger begründet?
  • Warum ärgert mich das?
  • Welcher Gedanke steckt dahinter?
  • Könnte es sein, dass dieser Gedanke auch sonst hinderlich ist?

In meinem Fall hiess das:

  • Warum kann … nicht einmal „lieb“ sein? Ich möchte doch beweisen, dass ich es „im Griff“ habe! Oder: Ich möchte doch zeigen, wie gut ich es mache! Ich möchte doch eine „gute Mutter“ sein!
  • Überhaupt, was erlaubt … sich? Ich habe doch Dank verdient! Was ich alles tue! Ich opfere mich auf, und nun das! Habe ich nicht eigentlich etwas Besseres verdient?
  • Was soll das? Ich habe Ruhe verdient! Jetzt bin ich mal dran!

Spannend wie ein Krimi, aber auch genauso herausfordernd. Will ich diese Gedanken? Sind sie überhaupt wahr? Mir kommt ein Spruch in den Sinn, den ich vor einiger Zeit gelesen habe: „Glaub nicht alles, was du denkst!“ – Für mich heisst das nun, diese Haltungen und Gedanken unter die Lupe zu nehmen. Oder, wie Hanne Baar es ausdrückt: sie „aufspiessen“ und ins Licht halten. Be-halten möchte ich sie jedenfalls nicht.

Ganz optimistisch ausgedrückt, auch frei nach Hanne Baar: Ich darf mich über jeden Ärger freuen, denn er zeigt mir meine eigenen wunden Punkte auf. Keine absolut neue Lebensweisheit, aber eine, die in meinem Alltag ganz konkret, ganz praktisch und ganz herausfordernd zum Tragen kommt.

So kann Ben-Oni zu Ben-Jamin werden. Ich vermute, er ist es bereits.

 

 

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