Momente

Der Tag hatte nicht glorreich angefangen. Schon recht früh am Morgen hatte ich mit einem frustrierten kleinen Jungen zu kämpfen, der letztlich, wie ich nachher feststellte, eigentlich „nur“ Aufmerksamkeit – sprich: Liebe – brauchte und suchte. Da er seine Gefühle im Moment des Schmerzes nicht ausdrücken kann, schlug er einfach zu. Ich war nicht viel besser, denn statt zu verstehen, ärgerte ich mich und wehrte ich mich.

Ich erzwinge eine Aussprache. Nach langem Drängen kommt heraus, dass er sich benachteiligt gefühlt hatte, weil ich seine jüngere Schwester zuerst angezogen hatte. Wir verzeihen einander und versöhnen uns. Kurze Zeit später mache ich nochmals einen „Fehler“ – wieder Tränen, Trauer, Aussprache, Versöhnung. Dann falten wir zusammen Wäsche (die Technik des Socken-Zusammenfaltens stösst auf Interesse).

Einige Zeit vergeht, plötzlich finde ich mich in einer völlig anderen Welt: Grosser Bruder spielt Papa, kleine Schwester spielt Tochter, zusammen wird gefischt, Eis gekauft und gekocht. Die kleine Tochter wird vom fürsorglichen Vater gegen Räuber und Krieger beschützt. Von einer Minute zur anderen bin ich nicht mehr im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses, sondern habe die Möglichkeit, mich hinzusetzen und die Woche zu planen. Der Vormittag verläuft im Weiteren so friedlich, dass ich mir sogar eine Tasse Kaffee gönnen und ihn in der Sonne geniessen kann. Danach koche ich mit Liebe eine Tomatensauce mit frischem Rosmarin.

Am Nachmittag finde ich mich in einem Zustand, der absolut traumhaft ist: Ich sitze am Tisch in unserem Gartensitzplatz, arbeite an meinem Blog, während die Kinder im Sandkasten und um mich herum spielen. Ich bin fokussiert, jedoch präsent. Anfragen von den Kindern empfinde ich nicht als Störung, sondern ich freue mich, dass sie mich lieben.

Solche Momente (lustigerweise stellt man sich „Kinder haben“ immer etwa so vor, bis man welche hat) sind Gold wert. Es macht mich schon die Tatsache dankbar, dass ich sie wahrnehme. Und nicht nur das, was schwierig, ärgerlich, anstrengend ist. Diese Momente helfen mir, mein JA zum Ganzen, Allumfassenden wieder zu finden.

Catch the moment.

Danke.

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