Erwartungen oder: Der Papa wird’s schon richten

Englisches Wetter. So nenne ich das windige, kalte, halb regnerische DINGS da draussen mit einem Augenzwinkern. Denn das englische Wetter wird zu Unrecht schlecht bewertet. Die allgemeine Meinung herrscht, dass es in England sehr viel und sehr oft regnet. Tatsächlich sind englische Sommer (mit Ausnahme des Jahres 2015) sehr sonnig, mild und warm. Wir verbringen seit einigen Jahren die Sommerferien in England und haben immer wieder festgestellt, dass die Insel wettertechnisch erstaunt. Sogar der berüchtigte Regen ist vollkommen anders als der schweizerische. In England gibt es nur das „Nieseln“. Regen, wie es ihn hierzulande gibt, erschreckt Engländer (sie nennen ihn „heavy rain“).

Heute ist nun das Wetter in Zürich englisch. Also eben so, wie man sich das Wetter in England vorstellt.

Ich bin diese Woche allein mit den Kindern. Mein Mann verbringt die Woche in England (ha!) mit seinen KonfirmandInnen und dem Leiterteam. Eine Woche, die ich immer fürchte: Der ganze Haushalt lastet auf mir, und jeden Abend bringe ich die Kinder allein zu Bett. Immer wieder staune ich über die Leistung von Alleinerziehenden oder von Müttern, deren Männer erst spät abends von der Arbeit nach Hause kommen.

Sowieso, die Abende. Ich empfinde sie als die strengste Zeit des Tages. Selber ein Morgenmensch, werde ich gegen 19 Uhr sehr müde. Müdigkeit ist im Umgang mit Kindern (vor allem mit Kindern, die etwas Bestimmtes tun sollten) nicht hilfreich. Deshalb habe ich immer einen gewissen Respekt vor dieser Tageszeit.

Verwundert stelle ich fest, dass die Zeit mit meinen Kindern weder belastend noch besonders streng ist. Also, schon streng, aber „normal streng“. Wir geniessen die (Ferien-)Zeit sogar. Ich mache es mir im Haushalt, vor allem beim Kochen, leichter als sonst: Der Anteil an Teigwaren ist prozentual höher als in anderen Wochen; der Anteil an Gemüse tiefer. An den Vormittagen erledige ich die wichtigsten Dinge im Haushalt und beziehe die Kinder entspannt mit ein. Ich konnte sogar ein Fotoalbum fertigstellen; eine Arbeit, die ich sonst nur an Abenden in Angriff nehme, wenn die Kinder im Bett sind. An den Nachmittagen treffen wir Freunde oder Familie oder machen was Schönes zusammen.

Ich frage mich, warum ich mich vor dieser Zeit so fürchtete, und warum es bis jetzt so gut läuft?

Die Antwort auf diese Frage ist leider nicht schmeichelhaft. Ich stelle fest, dass das, was mich wirklich müde macht, mein Ärger ist. Und zwar der Ärger über nicht erfüllte Erwartungen!

In dieser Woche weiss ich: Alles liegt an mir. Ich stemme die Woche, ich mache alles allein. Und irgendwie, unerwarteterweise geht es – gut.

Wenn mein Mann da ist, habe ich oft Erwartungen an ihn: Was er jetzt machen sollte, wie er es machen sollte, was ich jetzt grad brauchen würde, und was nicht. Da mein Mann einen eigenen Willen und eigene Vorstellungen sowie eigene Prioritäten hat, stimmen Erwartung und Erfüllung nicht immer überein – und das kann mich undankbar und wütend machen.

„Das ist doch menschlich!“ könnte man jetzt sagen. Ja, menschlich ist es. Das Menschliche kann jedoch recht zerstörerisch sein. Wenn ein Mensch meine Erwartungen erfüllen muss (und Gott sei Dank tut er es nicht, das wäre wirklich schrecklich!), werde ich zur Erwartenden. Er „muss“ meine Erwartungen erfüllen, sonst…

In dieser Woche stelle ich fest, dass ich nur auf EINEN hoffen kann: auf meinen Gott. Die Sache sieht damit total anders aus. Denn ich DARF, ich soll von Ihm alles erwarten – Er sagt mir nämlich Seine Hilfe und Liebe in jeder Situation zu. Natürlich auch nicht immer so, wie ich mir das grad vorstelle. Auch Gott will nicht in den kleinen Kasten passen, in den ich andere gerne hineindrücke. Aber ich erlebe Seine Hilfe ganz konkret: Indem Er mir Liebe schenkt, wo mich alles an einem Kind nervt; indem Er mir Ruhe und Gelassenheit gibt, wenn sich zwei streiten; indem Er mich den unaufgeräumten Boden mit einem Lächeln zu Kenntnis nehmen lässt. Das alles kommt nicht aus mir selber.

Trotz des englischen Wetters in Zürich freue ich mich und hoffe, dass ich diese Lektion nicht vergesse, wenn mein Mann wieder zuhause ist.

2 Gedanken zu „Erwartungen oder: Der Papa wird’s schon richten

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