Ich bin ein Fan!

Nein, nicht von Fleischklösschen wie Findus im gleichnamigen Hörspiel, sondern von den Büchern von Hanne Baar. Zur Zeit lese ich gerade „Vom Oje zum Aha! – Die Anatomie der Durchbruchserfahrung“. Schon nach den ersten Seiten bin ich geflasht und möchte dauernd „Genau!“ und „Jawohl!“ rufen.

Hanne Baar nimmt in jedem ihrer Bücher das ins Visier, was wir gerne verdrängen: Überreaktionen sowie Gefühle von Ärger, Schmerz, Wut, die nicht so leicht verschwinden. {Überreaktionen sind emotionale Reaktionen, die im Verhältnis zum Auslöser sehr heftig ausfallen. Für diejenigen, denen das Phänomen fremd ist.} Sie nimmt sie in den Fokus, denn ihre Devise lautet: Wir sollten diese Dinge nicht „vergeuden“, indem wie sie verdrängen und überdecken, sondern wir sollen sie uns zunutze machen. „Man kann Leid nutzen oder vergeuden“ (S. 9). Leid weist uns den Weg zu unseren tiefsten Schmerzpunkten. Wir können uns entscheiden, ob wir es neugierig, offen und freundlich willkommen heissen und als Wegweiser zu unseren inneren Schmerzpunkten nutzen – oder ob wir so schnell wie möglich wieder zum Alltag übergehen. Laut Hanne Baar braucht es ein paar solcher Überreaktionen, damit wir beginnen uns einzugestehen, dass da etwas verborgen liegen könnte.

Der verhängnisvolle Satz, der den Überreaktionen zugrundeliegt, heisst: „Alles, nur DAS nicht.“ Ärger, Schmerz, Überreaktionen sind Mittel, um DAS zu verhindern. Wenn wir mit der Neugierde eines Detektivs unsere Gefühle und Reaktionen wahrnehmen, spüren wir unser DAS auf: Situationen, die so schmerzhaft waren, dass wir irgendwann gesagt haben: „Alles soll mir passieren, nur DAS nicht.“

Dieses DAS ist oft eine Festlegung, die wir in der Vergangenheit (oft als Kinder) getroffen haben, um einen tief empfundenen Schmerz zu vermeiden. Das heisst konkret: Im Alltag wird (meist unbewusst) alles daran gesetzt, dass diese Situation nicht eintritt. Wenn sie bevorsteht oder entstanden ist, kommt Ärger, Angst – eben die Überreaktion.

Hanne Baar handelt mit diesen Schmerzpunkten in drei Schritten. Als Erstes geht es darum, sie aufzuspüren und wahrzunehmen und sie Gott hinzuhalten. Den Schmerz zu „verschmerzen“ – ihn bewusst eine kleine Weile lang wahrnehmen. Durch dieses Anschauen (oder eben „Ver-schmerzen“) allein kann Heilung geschehen.

In einem zweiten Schritt trifft sie eine wesentliche Entscheidung: Traue ich Gott zu, dass er auch „damit“ fertig wird? Bleibe ich bei Ihm, auch wenn dieser Schmerz bleiben sollte? Sage ich JA zu seinen Wegen?

Dann schaut sie dann hinter den Schmerz und fragt sich, warum dieses „DAS“ so viel Schmerz auslöst. Das können Kindheitserinnerungen oder andere Situationen sein, in denen der Schmerz erlebt wurde.

Das Buch enthält gute und verständliche Anleitungen in Kurzform. Wer will, kann sich auf den Weg machen. Es ist eine Einladung.

Warum liebe ich das Buch so? – Natürlich in erster Linie, weil es mir bei meinen eigenen Überreaktionen extrem hilft. Anstatt zu verzweifeln, beginne ich mit Detektiv-Arbeit. Das macht natürlich mehr Spass als die Verzweiflung, weil so viel Hoffnung spürbar wird. Dann liebe ich es auch, weil Hanne Baars Sprache sehr klar, „deutsch und deutlich“ ist. Sie beschönigt nichts. Zu ihren Talenten gehört zum Beispiel definitiv, die unterschwelligen oder offen ausgesprochenen Anforderungen an „gute Christen“ sachlich und trotzdem liebevoll zu enttarnen – mit einer Klarheit, für die ich ihr dankbar bin. Sie schreibt auf S. 22:

„Sätze wie ‚glaube nur‘, ’nimm das Negative nicht an‘, ‚das sind Lügen des Feindes‘, ‚Gott liebt dich‘, ‚du bist wunderbar gemacht‘, ‚lass dich nicht schwächen im Kampf‘ usw., solche Trostzusprüche helfen mir nur, wenn ich sie glauben kann. Sie helfen nicht, wenn ich glaube, sie glauben zu müssen.

Der Glaube, den ich jetzt brauche, um wieder zur Ruhe zu finden, muss umfassender sein, absoluter im Sinne von ’selbst dann‘, ’selbst wenn es so wäre‘, ‚Gott ist grösser als das‘, ‚Gott wäre selbst dem (meinem DAS) gewachsen.‘ Dazu ist jedoch nötig, mein DAS erst einmal zu kennen.“

Ha!

Drittens hat Hanne Baar eine Sprache für all diese Dinge, die in meinem Herzen vorgehen. Als gäbe es diese wirklich – ja sogar, als wäre dies „normal“. Sie hat eine Sprache für mein Herz!

Hanne Baar: Vom Oje zum Aha! Die Anatomie der Durchbruchserfahrung. Würzburg 2009, Hymnus-Verlag

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