Ja zum Miesepeter!

Die letzten Wochen fand ich anstrengend. Heute haben die lang ersehnten Sommerferien angefangen, und es wurde auch Zeit. All die Abschluss-Feiern, liebevoll gemeinten Eltern-Kind-Anlässe, die Extra-Kuchen, die gebacken werden mussten, die Zeugnisse – alles letztlich Stressfaktoren im Leben einer sechsköpfigen Familie, so schön die einzelnen Dinge auch sein mögen.

In unserer Familie haben wir folgendermassen gespürt, dass auch die Kinder einerseits übermüdet, andererseits aufgeregt und nervös angesichts der bevorstehenden Wechsel (1x Kindergarten, 1x Schule) sind: SEHR viel Streit (im Gegensatz zu viel Streit); SEHR viel Gemotze (im Gegensatz zu viel Gemotze), kein Einschlafen am Abend, kein Aufstehen am Morgen, null Bock bei den Ämtli. Und auch wir Eltern waren müder als sonst, gereizter, unlustiger.

In mir hat das immer wieder viel Ärger ausgelöst, denn ich habe mir „Mühe gegeben“; versuchte, für sie da zu sein; Mittagessen zu kochen, die sie mögen, usw. Und dann diese Sch…-Laune! Dieses Gemotze! Sie könnten doch einfach dankbar und zufrieden sein! – Klar, dass diese Haltung nichts verbessert hat. Äh, ja, im Gegenteil.

Gestern hat mir ein wertvoller Wegbegleiter den Spiegel vor Augen gehalten. Ich habe mein Glücklichsein vom Glücklichsein meiner Kinder abhängig gemacht. Konkret: Ich war unglücklich, wenn meine Kinder unzufrieden oder streitsüchtig waren. Das hat meine eigene Zufriedenheit im Nu zunichte gemacht. – Ich habe nicht erkannt, wie sehr meine Kinder am Drücker meiner eigenen Gefühle waren. Natürlich sind wir keine unabhängigen Wesen, die den anderen mit Gleichgültigkeit begegnen, aber die Frage ist: Wer bestimmt über meine Gefühle? Sind das die Gefühle anderer? Oder habe ich selber Einfluss darauf, wie ich denke und wie ich fühle?… Im Nachhinein kommt mir das so einfach und logisch vor – und doch war ich über längere Zeit nicht fähig, zu erkennen, dass ich mich abhängig gemacht hatte von der Zufriedenheit meiner Kinder. Noch weniger war ich fähig, dies zu ändern.

Gestern Abend wurde mir so richtig deutlich bewusst gemacht: Ich kann meinen Kindern keine Entspanntheit, keine Fröhlichkeit, keinen Frieden aufzwingen. Ich bin auch nicht verantwortlich dafür, dass sie sich gut fühlen. MEINE Verantwortung ist es, ihnen den Boden zu schaffen, auf dem sie gute Entscheidungen treffen können. Der Wegbegleiter hat es treffend formuliert: „Du kannst ihnen Brot reichen – aber dass sie es geniessen, das liegt nicht in deiner Macht.“ Ihre Fehlentscheidungen sind in erster Linie ihre eigene Verantwortung. Natürlich helfe ich dabei, die Folgen dieser Entscheidungen tragen zu können. Ich liebe meine Kinder! ABER ich darf diese Verantwortung bei ihnen lassen. Wie entlastend!

Hach, wie ist es gut, Menschen zu haben, die einen hinterfragen, die den Mut haben, ehrlich Rückmeldung zu geben. Dafür bin ich sehr dankbar.

Dazu gehört, hinzuschauen, warum ich denn meine, falsche Verantwortung übernehmen zu müssen. Wiederkehrende Muster sind genau zu prüfen, wie ihr ja vielleicht wisst

Heute ist unser erster Ferientag. Schon relativ früh am Morgen habe ich Streit gehört – mich auf die Seite gedreht und nochmals eine halbe Stunde geschlafen.

2 Gedanken zu „Ja zum Miesepeter!

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