O du zartes Mutterherz!?

Es braucht nicht viel – zum Beispiel eine Bemerkung, wie gut andere Eltern das mit dem Erziehen machen. Einen Hinweis, wie andere Eltern ihre Kinder „im Griff“ haben. Oder ein Blick in die Zeitschrift „Living at Home“ mit den vielen wunderschönen Deko-Ideen. Oder ein Kind zu sehen, das im Zug ruhig ein Büchlein anschaut. Die Meinung, es müsse doch möglich sein, auch mit Kindern mal ruhig einen Kaffee trinken zu können! – Egal, worum es sich handelt: Kindererziehung, Haushalt, Schönheit: Das Sich-Vergleichen lauert überall. Wir Mütter beziehen alles und jedes auf uns und unsere Leistung. Und meist bewirkt dies nur eines: Minderwertigkeitsgefühle.

So erlebt am letzten Mittwochnachmittag, als ich im Einkaufszentrum war mit allen vier Kindern. Auf dem Hinweg hatte das eine Kind einen Tobsuchtsanfall, auf dem Rückweg ein anderes. Ich konnte relativ gelassen bleiben und kam ziemlich erschöpft zuhause an, als eine liebe Freundin von einer Bekannten mit ihren vier wahnsinnig lieben und folgsamen Kindern schwärmte (und eben: wie sie diese „im Griff“ habe). Ich wollte es nicht, aber der Vergleich krallte sich in meinen Gedanken fest. Nicht in dem Sinne, dass ich mich für diese Eltern freute. Nein, in dem ganz anderen Sinne, dass ich das Gefühl hatte, ÜBERHAUPT NICHTS im Griff zu haben. Weder das Verhalten meiner Kinder, noch sonst IRGEND etwas. Das bohrte ziemlich lange.

{In diesem konkreten Fall muss mal gesagt sein: „im Griff haben“ gehörte eigentlich gar nie zu unseren Erziehungs-Zielen. Das kann man eh nur, solange die Hand genug gross ist. Sondern, wie ein wertvoller Wegbegleiter zu sagen pflegt: „in ihren Herzen sein“, denn das kann mitwachsen… – Und trotzdem hatte diese Bemerkung die Macht, mich fast einen Tag lang gefangen zu nehmen.}

Nach dem Wiederauftauchen aus dem Selbstmitleid kam die Phase der Selbsterkenntnis und mit dieser sowohl Belustigung als auch eine gewisse Wut: Wieso um alles in der Welt ist es so leicht möglich, (m)ein Mutterherz derart schnell zu verunsichern? Weshalb vergleichen wir ständig die Grösse und die Statur unserer Kinder, ihre Leistungen, ihr Benehmen? Die Kleidung der anderen Mutter mit unseren, ihre Handtasche (und deren ordentlicher Inhalt) mit unserer? Die Möglichkeiten einer Bekannten mit dem, was wir tun und lassen??

Mir selber und allen Müttern, die ich kenne, möchte ich zurufen: Hey, du bist die vollkommene Mutter für deine Kinder! Gott hat DICH für sie gesetzt! Du bist perfekt für sie, inmitten all deiner Unvollkommenheiten und Fehler! Deine Kinder sind einzigartig! Auch wenn sie es nicht schaffen, mehr als 10 Minuten in Ruhe ein Büchlein anzuschauen: Sie schaffen es, andere für ein Spiel zu begeistern! Du kannst aus einem Alpha-Tierchen keinen Mitläufer machen! Und aus einer ruhigen, stetigen Perönlichkeit keinen Tausendsassa!

Du bist wer du bist, und deine Kinder sind diejenigen, die EINER geplant und wunderbar gemacht hat. Du darfst dich an ihnen freuen! Und an dir, deinem Erziehungsstil, deiner Wohnungseinrichtung (die ist sowieso NIE am Ende angelangt), deiner eigenen Einzigartikeit!

Deine Kinder brauchen eine starke, selbstbewusste Mutter, die sich in Zeiten der Verunsicherung an den Vater im Himmel anlehnen kann und sich von Ihm den Rücken gestärkt weiss. Und sich auf den Boden der Gnade stellen kann, selbst wenn sie tausend Fehler macht!

Erhebe dein Haupt, damit dir die Krone nicht herunterfällt!

9 Gedanken zu „O du zartes Mutterherz!?

  1. Toller Beitrag! Ich gehöre zu den Mamis, von denen andere schnell mal denken, dass ich meine Kinder gut im Griff habe – weil erstens diese anderen meine Kinder daheim selten erleben und zweitens die beiden einfach von ihrer Persönlichkeit her eher angepasste Menschen sind.

    Zudem gehöre ich zu den Frauen die mit schlechtem Gefühl an das Chaos daheim denken, wenn sie in einer schön aufgeräumten und geschmackvoll eingerichteten Wohnung sind. Ich kann das Gefühl nicht ablegen, dass ich meinen Haushalt nicht im Griff habe, obwohl wir uns in unserem kleinen Chaos eigentlich sehr wohl fühlen. Müssen ja nicht alle Ästheten sein. Oder Erziehungsprofis. Wir müssen aber lernen, dazu zu stehen, wer wir sind.

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  2. Das hab ich heute gebraucht! Mir kommt es grad so vor als hab ich einfach garnichts im Griff… Also will ich mich jetzt auf den Boden der Gnade stellen und mein Haupt erheben, damit die Krone nicht runterfällt! Die war vom vielen Selbstmitleid schon ganz verrutscht… 😉 Danke von Herzen!!

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  3. „Du bist perfekt für sie, inmitten deiner Unvollkommenheiten und Fehler.“ Der Satz gefällt mir besonders gut. Ich habe übrigens das Buch bestellt, von dem du in meinem Blog geschrieben hattest: „Erziehen im Vertrauen“. Ich lese es gerade, sehr guter und interessanter Ansatz, danke für diesen Tipp. Viele Grüße, Christina

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