Perlen auf dem Weg

Als wir vor fünf Jahren nach Zürich zogen, hatte ich einige Wünsche an Gott. Obwohl Zürich keine arme Stadt ist: Unser Stadtteil ist alles andere als luxuriös. Und ich, die ich in einem mittelalterlichen, malerischen Städtchen am Rhein aufgewachsen bin, empfand die vielen Blocks als ärmlich, schäbig, bieder. Eine Mischung, die mich erschauern lässt. Ich wusste, dass ich total auf Gnade angewiesen bin, sollte ich mich hier wohl fühlen.

Einfach machten es für mich viele liebe Menschen, die von Anfang an auf uns zukamen und uns das Gefühl gaben, hier mehr als willkommen zu sein. Vielleicht ein Privileg für eine Pfarrfamilie; auf jeden Fall war das mitunter das Kostbarste. Sogar eine enge Freundin fand ich schneller, als ich es mir vorgestellt hatte (ich hatte mir eigentlich gar nichts vorgestellt).

Als dann die Schulfrage auf uns zukam, schluckte ich ein paarmal leer, denn der Kindergarten, in den unser ältestes Kind zugeteilt werden würde, befand sich ausserhalb der Inländer-Zone. {Unser Stadtteil wurde früher in zwei Hälften geteilt, die durch eine Tramlinie und sehr befahrene Strasse getrennt wurden: Oben die Schweizer, unten „Klein Istanbul“. So wurde uns unser Viertel vorgestellt. Wir wohnen unten, neben der Kirche.} Ein Versuch, unser Kind im „sicheren Schweizer Hafen“ zu platzieren, schlug fehl.

Für unsere Kinder, vor allem den Ältesten, der dreieinhalb Jahre alt war, als wir herzogen,  war es kein Zuckerschlecken, Freunde zu finden. Denn: Die eine Hälfte unserer Bekannten wohnte in einem Viertel oberhalb der Tramlinie, wo ganz viele Christen wohnen; die andere in einem anderen, auch eine Siedlung mit grossem Spielplatz. Freundesmässig waren die meisten Kinder deshalb schon „versorgt“, nur wir nicht. Um Freundschaften mussten sich unsere Kinder, wenn sie welche bilden wollten, aktiv bemühen. Mein Sohn hat sich auch schon darüber beklagt, dass „immer er“ anrufen muss.

In den letzten Tagen wurde mir bewusst, wieviel Gott getan hat (auch durch den Blogeintrag von Christina). Wenn ich zurückblicke, kann ich nur staunen.

  • Der Kindergarten erwies sich als ein optimale Wahl für unsere Kinder. Unser dritter Sohn ist nun bei der Kindergärtnerin, die unseren Kindern so viel beibrachte und ihnen viel Freude beim Lernen und Entdecken vermittelte.
  • Die Initiative unseres ältesten Sohnes hat Früchte gezeigt. Er hat eine Handvoll guter Freunde. Er hat es gelernt, initiativ zu sein, einzuladen, Ideen zu bringen. Vor ein paar Wochen hatte ich eine fussballspielende Horde Achtjähriger im Garten. Es war wie ein Geburtstagsfest. Und auch mindestens so laut. Es gab sogar frischgebackenen Kuchen.
  • Beide Grossen sind gute Schüler. Der zweite Sohn geht gern zur Schule. Es macht beiden Freude, zu lernen.
  • Unser ältester Sohn hat die Möglichkeit, sich jede Woche bei einem tollen jungen Mann aus unserer Gemeinde mit dem Jungentraum KNEX zu beschäftigen. So wird sein schnell gelangweilter Verstand beschäftigt – und er baut Autos, Türme und Beziehung.

Dieser Vers wird mir grad total lebendig: „Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Psalm 103,2) – Ja und Amen! Ich will Seine Güte nicht vergessen, sondern von ihr reden!

…auch wenn es kleine Dinge sind…

  • Nach gefühlten 48 Stunden in Dampf und Hitze geniessen wir: Quittengelée mit einem Hauch von Himbeere; Quittengelée mit einer Handvoll Trauben; Quitten-Apfel-Sirup, Quitten-Vanille-Mus, Traubensirup und Traubengelée.

Wir sind überreich beschenkt.

16-10-20a

 

3 Gedanken zu „Perlen auf dem Weg

  1. Liebe Sonja! Ich hoffe dir ist es recht, dass ich den Beitrag heute auf meinem Blog verlinke. Ich finde ihn ermutigend, weil er so ehrlich ist. Ich mag deine Sichtweise, dass du auf der Suche nach den Segnungen bist, obwohl die Umstände nicht ganz so einfach sind. Inmitten von Sorgen und Zweifeln findest du Perlen auf eurem Weg.Vielen Dank fürs Teilen.
    Glg Lena

    Gefällt 1 Person

    1. Danke, liebe Lena, für deine Rückmeldung. Natürlich ist mir die Verlinkung recht. Und ja, diese Suche nach dem Himmlischen ist das, was mich täglich antreibt, ermutigt, manchmal zur Verzweiflung bringt, beschenkt… Alles Liebe dir!

      Gefällt 1 Person

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