Herbstwetter

Ich liebe den Herbst. Ja, es war schon immer meine liebste Jahreszeit. Wenn alle dem Sommer nachtrauern, freue ich mich über kühlere Tage, Lieblingspullover und Jeans, die ich wieder tragen kann, meine Schals, Blätter auf der Strasse und das Geräusch, das entsteht, wenn man durch sie hindurchläuft: „chräschle“! Ich bin verrückt nach Vermicelles, ich mag Kürbissuppe, und mir ist wieder nach Kerzenlicht. Aktivitäten verlagern sich von draussen nach drinnen, die Tage werden kürzer (juhu!), die Abende somit länger und kuschliger. Das Sofa lockt mit seiner warmen Decke, ich trinke wieder viel warmen Tee und mache mir Gedanken über Weihnachtsgeschenke.

Im Herbst kommt vieles zur Ruhe. Auch die Natur. Nach stundenlangem Einmachen, Gelieren und Einfrieren ist der Gefrierschrank voll und nach und nach alles geerntet und bereit für die Winterpause. Dafür werden warme Winterjacken hervorgeholt, Handschuhe auf ihre Wasserfestigkeit geprüft und Winterstiefel anprobiert. Am Montag sahen wir die ersten Schneeflocken!

Irgendwie überträgt sich die Stimmung des behutsamen Wechsels auch auf unsere Familie. Es ist möglich, mit allen vier Kindern am Tisch zu sitzen und Weihnachtsgeschenke zu basteln. Das war es lange Jahre nicht! Unsere Kinder sind älter geworden. Die drei grossen Jungs muss ich nicht mehr betreuen, die sind sehr selbständig. Der kleinen Maus helfe ich gerne, weil ich nun  Zeit dafür habe. Unseren Bastelraum, den ich, hüstel, bisher vor allem für mich selber als Rückzugsort gebraucht habe, habe ich sozusagen „wiedereröffnet“. Es reicht, wenn ich etwas Material auf den Tisch stelle, die Kinder haben Hunderte von Ideen. Und so bin ich in der glücklichen Lage, dass Anfang November schon die Hälfte der Weihnachtsgeschenke fertiggestellt sind. High five!

Obwohl ich weiss, wie das mit Vorsätzen so geht, habe ich mir vorgenommen, jeweils am Donnerstag, wenn kein Zusatzprogramm läuft, kein Musikunterricht und kein Zusatz-Sport stattfindet, mit den Kindern etwas Kreatives zu machen.

Kleine Schritte in einer grossen Familie.

Der Herbst ist für mich auch eine Zeit des Loslassens und des Überprüfens: Wieviel Aktivität tut meinen Kindern wirklich gut? Wieviel mir selber? Wo und in wen will ich meine Zeit, meine Lebenskraft investieren? Was liebe ich, und was mache ich aus obskuren Motivationen heraus? Oder nur, um andere Menschen nicht zu enttäuschen? Womit ehre ich Gott, womit mich selber?

Und auch: Welche Hose hat eindeutig ausgedient? Welche Bücher werden nicht mehr gelesen, welche Spiele nicht mehr gespielt? Grosse und kleine Fragen. Niemals sonst werden mir diese Dinge so klar wie in der Ruhe des Herbstes. Dabei gibt es einen Ausspruch eines spanischen Ordensgeistlichen, der mir als Leitsatz dient und der mich jedesmal, wenn ich ihn lese, berührt.

Nichts ist praktischer
als Gott zu finden –
sich in einer sehr absoluten,
endgültigen Weise zu verlieben.

Das, was du liebst,
was deine Vorstellungskraft beherrscht,
wird nichts unberührt lassen.

Es entscheidet darüber,
was dich am Morgen veranlasst aufzustehen,
was du mit deinen Abenden anfängst,
wie du deine Wochenenden verbringst,
was du liest,
wen du kennen lernst,
was dir das Herz bricht
und was dich in Erstaunen, Freude oder Dankbarkeit versetzt.

Liebe, bleib in der Liebe, und das wird alles entscheiden.

Pedro Arrupe SJ

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