Zur Zeit…

Zwei Arten von Gefühlen beherrschen mich im Moment:

Dankbarkeit für das Neue Jahr, für den Schnee und die Sonne (heute hatten wir den schönsten Tag des Jahres…), das Schlitteln und die Schneemänner. Dankbarkeit für meine Kinder, die jeden Tag im Haushalt mithelfen (obwohl ich auch schon hören musste, dass es in anderen Familien sicher viel angenehmer sei). Dankbarkeit für die schönen Dinge, die wir an den Nachmittagen unternehmen: eben Schlitteln, Baden, Bräteln im Wald, Bibliotheksbesuch mit Eis. Dankbarkeit für den ruhigen Nachmittag, den ich heute dank zweier fröhlicher junger Mädchen geniessen darf.

Die andere Art von Gefühlen heisst: Müdigkeit. Die Festivitäten der vergangenen Tage (leider hat mein Mann auch noch GEBURTSTAG kurz nach Weihnachten…), die Geschenke- und Essensberge, die Einladungen und Aktivitäten: zuviel. Obwohl alles sehr schön war – ich liebte die Gemeinschaft, ich genoss das Essen, ich freute mich über die Geschenke, ich staunte über Weihnachten – hinterlässt mich der ganze Trubel etwas verkatert. Obwohl ich doch wie ein Häftlimacher achtgab, hat es mich doch erwischt. Ob es zuviele Pralinensorten waren, zuviele Geschenk-Ideen, zuviele Geburtstagskuchen – was auch immer es war, irgendwo habe ich die Kurve nicht gekriegt und zuviel gemacht, zuviel erwartet, zuviel gegeben. Und das rächt sich jetzt.

Leider nicht im Guten. Manchmal schützt Erkenntnis leider nicht davor, falsche Entscheidungen zu treffen. Ich könnte, als Beispiel, mir liebevoll-schulterzuckend vergeben und einen Gang runterfahren. Oder mir überlegen, wo Entlastung möglich ist (der heutige Nachmittag ist gerade so eine Entlastung!). Oder mich hinsetzen und nachdenken, an welcher Stelle ein Richtungswechsel nötig wäre. Nein, ich ziehe es vor, misslich gelaunt und ziemlich empfindlich durch die letzten und ersten Tage des Jahres zu schleichen und mich immer wieder voller Selbstmitleid daran zu erinnern, wie streng doch das Leben als Mutter sein kann.

Eigentlich bräuchte ich jetzt zwei Wochen Ferien – sprich: Alleinsein. Hab ich aber nicht. Es bleibt mir nur, mich so auszuhalten. So müde, grätig, selbstmitleidig, wie ich jetzt grad bin. Mich damit zu versöhnen, dass nicht alle meine Bedürfnisse gestillt werden können.

Und vielleicht auch: den Blick auf all das zu lenken, was ich habe und sein darf. Damit möchte ich jetzt nicht religiöse rosa Sosse auf meinen Zustand kippen und ihn so zudecken. Diese frommen Übungen funktionieren nicht, wenn sie nicht ehrlich sind. Ehrlichkeit heisst in meinem Fall: auch das zulassen dürfen, was nicht ins schöne Bild passt. Jammern, Selbstmitleid, grätig sein.

Den Blick auf das zu lenken, was ich habe, heisst jetzt grad: Meine Hand in die ausgestreckte Hand des Vaters im Himmel zu legen. Mich zu entscheiden, ihm voll und ganz zu vertrauen. Nicht darauf, dass er alle meine Bedürnisse stillt. Sondern darauf, dass er mich mit allem, was ich brauche, versorgt. Meine Gefühle müssen dadurch nicht „besser“, reiner und netter sein. Aber ich kann innerlich zur Ruhe kommen. Auch ohne zwei Wochen Ferien.

2 Gedanken zu „Zur Zeit…

  1. Danke für diesen ehrlichen Text. Ich hatte zwischen den Jahren diesmal das Glück, ein paar Tage „Alleinsein“ genießen zu dürfen. Das erste Mal, seitdem ich Mutter bin. Es war herrlich und tat so gut. Dir wünsche ich auch die Chance dazu jetzt im neuen Jahr, vielleicht tuts ja schon ein einziger Vormittag oder Nachmittag. „… dass er mich mit allem versorgt, was ich brauche.“ Sehr schön. Und mutmachend. Grüße, Christina

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