Well done!

Ich liebe die Englische Sprache. Also das British English. Die Briten haben unvergleichliche Betonungen und Ausdrücke, welche die Aussprache für mich zu einem vergnüglichen Erlebnis machen. Wie sie mit verschiedenen Tonlagen spielen – herrlich! Zum Beispiel: Well done! Gut gemacht! Ausgesprochen: Well daaaaan! (Das daaaaan hat einen höheren Ton als das well, wird also betont.)

Gestern waren wir im Legoland. Es war leider kühl und regnerisch; dafür mussten wir praktisch nirgends Schlange stehen. Wir mussten uns alle entscheiden: Das geniessen wir jetzt trotzdem! Und es hat sich gelohnt. Wir fuhren Bahnen rauf und runter, schrien und lachten und fürchteten uns und wollten dann gleich nochmals fahren.

Bei einer Bahn (ganz gefährlich: Ninjago!) musste virtuell auf eine Leinwand geschossen werden. Es war rasant und heftig. Ich ballerte wie verrückt! Am Schluss kamen sechs Lego-Figuren auf die Leinwand und applaudierten uns. Sie johlten, klatschten, hüpften auf und ab und riefen die ganze Zeit: „Well done! Well done!“

Obwohl es total lächerlich und durchschaubar war, passierte etwas Seltsames: Mir kamen die Tränen vor Rührung. Echt jetzt! Zum Glück merkten die beiden kleinen Gefechtsgenossen, Noah und Mahela, nichts davon. Die waren einfach platt von der vielen Action und glücklich über ihre vielen Treffer und Punkte. Aber ich… ich wurde von der digitalen Welt bejubelt, und es berührte mich! Das fühlte sich ziemlich grotesk an.

Warum nur löste dieser digitale, unpersönliche Jubelruf etwas in mir aus? Die Antwort war schnell klar: Im Alltag sagt mir selten jemand, dass ich etwas gut gemacht habe. Also, nicht dass ich zuwenig Komplimente erhalte, aber: Im Vergleich zu meinem inneren lautstarken Kritiker mit seinen vielen Vorwürfen nimmt sich das Lob bescheiden aus. Was ich mit meinen inneren Ohren vor allem von mir selber höre, sind Dinge, die jede Mutter kennt, wie: „Schon wieder wütend geworden! Hm“, oder: „Ups, fast das Mittagessen vergessen. Wieder zu lange gewartet!“ oder: „Das hätte ich jetzt auch viel freundlicher sagen können!“ oder: „Diese Schokolade hätte ich lieber nicht essen sollen!“ Obendrauf höre ich mit meinen äusseren Ohren Dinge wie: „Nicht schon wieder Couscous zum Essen! Wäh!“ oder: „Wann kommst du endlich, Mami!?“ oder: „Neeeein, ich will nicht!!!!“ oder gar: „Blödes Mami!!!“

Es braucht gar nicht viel, um Wertschätzung zu vermitteln. Der Aufwand, sie zu geben, ist lächerlich im Vergleich zu ihrem Ertrag. Ein kleines bisschen Wertschätzung kann so vieles verändern. Weil wir (oder zumindest ich) so oft nur das Negative, das Schwache, das Unvollkommene sehen. Das Unfertige, das Langweilige, das Dreckige, den Sisyphos.

Darum:

  • Du hast dich heute nicht geärgert, als deine Tochter die Milch ausgeschüttet hat?
  • Du hast dich bei deinem Sohn entschuldigt, nachdem du voreilig mit ihm geschimpft hast?
  • Du hast deine Kinder nach einem Streit, als ihr alle laut wart, in die Arme genommen?
  • Du hast heute den Tisch abgewischt und unter dem Esstisch den Boden gereinigt? Zum dritten Mal in Serie?
  • Du hattest heute beim Einkaufen keine Kinder-Spängeli im Haar und keine Kleckereien auf der Bluse?
  • Du hattest heute beim Einkaufen Kinder-Spängeli im Haar und Kleckereien auf der Bluse und bist so mutig durch die Leute gestapft?
  • Du hast das heutige Nachtessen geplant und vorbereitet?
  • Du hast das heutige Nachtessen spontan aus dem Ärmel geschüttelt?
  • Du hast deine müden Kinder zu Bett gebracht, obwohl du selber müde warst?
  • Du hast die Sachen deiner Kinder weggeräumt, deine eigenen aber nur rasch in die nächstbeste Schublade geworfen?
  • Du wolltest dich auf dem Sofa ausruhen, hast aber nochmals dreimal ein Kind (wahlweise einmal drei Kinder) getröstet und beruhigt?

Dann rufe ich dir jetzt mutig zu: Well done! WELL DAAAAN!!!! Gut gemacht! Bravo! Hut ab! Du warst mutig, stark und kämpferisch. Du hast dich überwunden. Du hast dich gedemütigt. Du gibst dein Leben hin! Und das tust du tagein, tagaus. Du bist eine wunderbare Mutter! Du bist gesegnet und geliebt, und weisst du was? Gott hat alles, alles gesehen. Deine Müdigkeit, deinen Ärger, dein Helfen, dein Lachen, deinen Schrei, dein Arbeiten, Aufräumen, Wegräumen, Herrichten! Sei reich gesegnet in deinem Muttersein, in deinem Frausein, als Tochter, Ehefrau und besonders als über alles geliebtes Kind von Gott.

Für dich soll der Vers aus Jesaja 62,3 gelten: „Und du wirst sein eine schöne Krone in der Hand des HERRN und ein königlicher Reif in der Hand deines Gottes. “

Für mich wünsche ich mir, dass ich mehr und mehr eine Ermutigerin werde; Menschen um mich herum wahrnehme (nicht nur Mütter!), ihnen Wertschätzung und die Liebe Gottes weitergeben kann.

Ich glaube, dass wir Menschen generell und wir Mütter insbesondere an einem Mangel an Wertschätzung leiden. Dass wir leiden, merken wir gar nicht. Bis wir im Legoland von Legofiguren beglückwünscht werden!

IMG_6774

6 Gedanken zu „Well done!

  1. Wundervoll! Du hast so recht… Ich dachte dabei an ein Telefongespräch mit meiner Schwester. Ich hatte gerade wieder ein kleines Baby und klagte mein Leid, dass ich rein gar nichts schaffen würde. Es war bereits Mittag und ich sagte: „Ich habe heute nur den Frühstückstisch abgeräumt, mehr nicht.“ Meine wunderbare Schwester lobte: „Hey super! Du hast den Tisch abgeräumt!! Vermutlich hast du auch das Baby gestillt. Das ist doch klasse und viel mehr als nichts!“ Ich lachte wieder… Jeder Frau wünsche ich so eine Schwester 🙂 In der „Lydia“ las ich einmal einen Artikel über die Frau aus Sprüche 31, der mir noch lange nachging. In der jüdischen Kultur spricht man Frauen für die „Kleinigkeiten“, die sie schaffen ein „Eshet chayil“ (= mutige Frau) zu. Einen Hefezopf gebacken? Eshet chayil! Beim Schulfest mitgeholfen? Eshet chayil! Danke für diesen Artikel, liebe Sonja. Eshet chayil! Well done! Lieber Gruß von Martha

    Gefällt mir

  2. Liebe Sonja, ich danke Dir so sehr für Deinen ermutigenden Post! Der hat mich jetzt zu Tränen gerührt und mir einmal mehr bewusst gemacht, wie sehr ich mich nach Wertschätzung sehne. Gerade heute Morgen habe ich noch darüber nachgedacht und spontan beschlossen mir selbst ein Muttertagsgeschenk zu kaufen. Das wartet jetzt darauf mir am Sonntag eine besondere Freude zu bereiten 😉 . Die größte Freude aber ist tatsächlich die, das Gott all mein und Dein Tun sieht. Er sieht uns und jede Frau mit seinen liebenden Augen an und spricht uns zu: Gut gemacht! Danke, liebe Sonja, für die Erinnerung! Liebste Grüße Ulrike

    Gefällt mir

    1. Liebe Ulrike, vielen Dank für deinen lieben Kommentar, den ich irgendwie erst jetzt gleich entdeckt habe. Ja, es braucht beides… das eigene achtsam sein und das Wissen, dass Gott alles sieht. Herzlichste Grüsse zurück! Sonja

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s