Mein Gebet

Es fühlt sich gut an, die Vormittage selber einteilen zu können. Es fühlt sich fast so an, als wäre es nie anders gewesen. Es ist mir weder langweilig, noch stürze ich mich in zuviele Aktivitäten (dazu habe ich grad gar keine Energie), wie ich es befürchtet hatte. Nein, ich geniesse einfach. Arbeit, Sport, Ausruhen – das und noch einiges mehr hat die letzten Vormittage gefüllt, und es ist sehr stimmig. Wenn die Kinderchen am Mittag heimkommen, freue ich mich auf unsere gemeinsamen Stunden.

Heute Nachmittag, am ersten Samstag im neuen Leben, habe ich mich gefragt, was ich jetzt gerne tun würde – und schon war ich in meinem Lieblings-Möbelladen und habe Geld ausgegeben für ein schliesslich doch recht kleines Häufchen Dinge. Zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass alles im Ausverkauf war.

An einem Vormittag habe ich mir Zeit genommen, um zu beten, in der Bibel zu lesen und mit Gott bewusst Gemeinschaft zu haben. Am liebsten möchte ich das wöchentlich so tun. Lustigerweise konnte ich mich viel mehr konzentrieren als „früher“, und ich glaube, das ist kein Zufall. Das alles seine Zeit hat, wissen wir. Vorher habe ich mir die zweieinhalb Stunden Spielgruppe – meine einzige Möglichkeit – für Zeit mit Gott reserviert. Jetzt ist es ein Teil von einem grösseren Ganzen, das viel entspannter ist. Wenn ich müde bin, kann ich mich sogar hinlegen! Und das habe ich in dieser Woche zweimal gemacht. Mir kommt es vor, als sei ich schon jetzt entspannter und dadurch wacher, mindestens am Vormittag.

Die Abende bleiben jedoch, wie sie schon immer waren: eher anstrengend. Der Abend ist nicht so meine Zeit. Ich bin müde, die Kinder sind müde. Ich habe wenig Nerven, die Kinder haben wenig Nerven. Alle sollten vorwärts machen, jedoch hat niemand wirklich Kraft und Freude, es auch zu tun. Und an einem Abend wurde ich so richtig wütend und brüllte meinen Sohn an. Bämm! Der Button „Super-Mom“ fiel einmal mehr von mir ab. Zack-päng!

Nun denn, als ich am nächsten Vormittag entspannt für meine Familie zu beten begann, wurde mir wieder bewusst, wie wenig ich selber in der Hand habe und wie sehr ich abhängig bin von Gottes Gnade und Hilfe. Dieses Gebet, das wie selbstverständlich über meine Lippen kam, möchte ich noch viel mehr in meinem Herzen tragen:

Vater,
Danke, dass du uns diese vier Kinder anvertraut hast.

Bitte vergib mir – meine Ungeduld, meine unfreundlichen Worte, meine Lieblosigkeit.

Bitte mach meinen Mann und mich zu sehenden Eltern. Lass uns mit geöffneten Herzensaugen hinter das Sichtbare blicken. Hinter Streit, hinter Anhänglichkeit, hinter Reden und Schweigen. Hinter Unaufmerksamkeit, Unsicherheit und Unruhe. Hinter Lieblosigkeit, auch die eigene. Lass uns sehen, die du über unsere Kinder denkst und auch über uns, wie du sie gemeint hast, was du in sie hineingelegt hast. Lass uns ihre Berufungen und ihre Gaben entdecken.

Bitte mach uns zu weisen Eltern. Wir möchten weise Verwalter sein und mit unseren Kindern wertschätzend und umsichtig umgehen. Schreibe uns deinen Willen und deine Pläne für unsere Kinder ins Herz, damit wir sie über ihnen aus- und ins Leben rufen können. Lass uns nie die Ehrfurcht für das Wunder deiner Schöpfung vergessen, und hilf uns, das Wichtige vom Dringenden unterscheiden zu können. Lass uns von deinem Willen und von deinen Plänen beseelt sein; von Sehnsucht danach, dass dein Reich komme und deine Gegenwart sich in unserer Familie ausbreitet.

Bitte mach uns zu liebevollen Eltern. Wir wollen gnädig und barmherzig unseren Kindern gegenüber sein, so wie wir für uns selber immer wieder Gnade und Barmherzigkeit brauchen. Lass uns deine Liebe täglich, stündlich, ohne Unterbruch spüren, damit sie überfliesst und die Herzen unserer Kinder füllt. Wir brauchen diese Liebe so sehr, und sind doch oft so unfähig, sie anzunehmen. Danke, dass dir nichts unmöglich ist! Du kannst uns heilen und verändern, und du kannst auch die Wunden unserer Kinder heilen.

Du bist die Liebe selber! Du bist das Leben! Bitte lass unser Herz beständig in deiner Gegenwart sein.

Und DANKE, dass das alles nicht an unserem Wollen und Vollbringen liegt, sondern an deinem Wohlgefallen allein. Das befreit mich unendlich.

Danke, Danke, Danke! Amen!

 

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11 Gedanken zu „Mein Gebet

  1. Liebe Sonja!
    Du hast mir aus dem Herzen geschrieben! Auch ich habe richtig aufgeatmet, als unser Jüngster den Kindergarten gestartet hat. Auch wenn ich meine Jungs noch so gern hab, die Vormittage frei einteilen zu können bedeutet mir auch jetzt, ein Jahr später, immer noch viel. Und das Gebet, so treffend! Ich konnte grad mitbeten;-)
    Sei fest umarmt!
    Liebe Grüsse Claudia

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    1. Liebe Tine. Ich kann es oft nicht so sehen, blicke nur auf das, was noch fehlt, noch unfertig und unvollkommen ist. Da tut mir deine liebevolle Ermutigung gut. Und ja, geniessen tue ich! Herzlichst Sonja

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  2. Liebe Sonja, ich hab mich grad gefragt, ob ich wohl zu viel erwarte von diesen Vormittagen, die auch ich bald haben werde (zwei Wochen noch…). Ob die Zeit mir nicht unter den Fingern zerrinnen wird und ich enttäuscht sein werde. Dein Text und dein Gebet taten mir gerade so gut. Ich freu mich drauf… und möchte unbedingt auch in Ruhe beten und Bibellesen! Ich hab mir sogar vorgenommen, die Bibel in einem Jahr zu lesen. Aber vielleicht ist das auch schon wieder zu viel? Hach, mal sehen… Liebe Grüße, Martha

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    1. Hach, mal sehen – genau das ist es!! Hihi. Mit „Hach, mal sehen…“ habe ich in die Woche gestartet (in der Küche eine Liste hängen mit Dingen, die ich machen möchte oder auch muss an den Vormittagen). Am Ende der Woche habe ich festgestellt, dass ich wirklich viele von diesen Dingen gemacht habe, das tat gut. Alles Liebe dir und viele „Hach’s!“ Sonja

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  3. Genau so ging es mir doch auch! Mittlerweile ist das allerdings einige Jahre her… wie schnell die Zeit vergeht… Doch ich geniesse die Ruhe am Vormittag immer noch sehr! Und was für eine wunderbares Gebet! Ich wünsche dir besonders gute Vormittage, eine gute Balance zwischen Tanken und Liste abarbeiten…!

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    1. Vielen Dank für deine lieben Worte! Ja genau, die Balance… wurde zwischenzeitlich etwas gestört. Aber auch hier heisst es für mich: immer wieder neu dran bleiben. Ganz liebe Grüsse, Sonja

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