Mit Schaufel und Pickel

Ich fühle mich grad wie auf der Baustelle; Pickel in der einen, Schaufel in der anderen Hand. Ich bin am Umgraben, hacken, ausreissen und feststampfen. Immer wieder wundere ich mich, was alles aus der Erde hervorkommt: Wurzeln längst ausgerissener Pflanzen; Steine, fruchtbare Erde und viel Verblühtes. Überreste alter, längst vergessener Pflanzen, und Triebe von neuen.

Die Aufgabe heisst nun: Was schön und gesund ist, darf bleiben, sogar noch mehr und/oder einen besseren Platz erhalten, was nicht gefällt und anderen Pflanzen den Raum wegnimmt, kommt raus. Das Ganze soll am Ende in sich harmonisch sein, aber nicht zu sehr, sondern auch Raum für Spontanes und Überraschendes lassen.

Das und noch einiges anderes muss weg:

P1010009

Die dürfen wachsen und Raum einnehmen:

P1010011

P1010010

P1010007

P1010006

P1010005

RAUM ist grad mein Lieblingswort. Raum haben. Raum einnehmen. Wikipedia ergänzt: althochdeutsch rūmi = „weit“, „geräumig“. Ja, Weite ist vielleicht der Aspekt des Wortes, der mich zur Zeit anzieht. Weite, und mit ihr auch Freiheit. Frei-Raum.

Im Garten habe ich mit diesen Arbeiten noch gar nicht angefangen, sondern mir nur mal im Geist vorgemerkt, welche Pflanze ausgerissen und womit sie ersetzt werden soll. Diese Gedankenspiele machen mir Freude, denn ich kann mit meinem inneren Auge schon sehen, wie es nachher viel schöner ist.

P1010012

Was im Garten auf mich wartet (ich wünsche mir dafür ein Wochenende mit viel Sonne), mache ich im Moment am Schreibtisch. Meine Werkzeuge heissen Tagebuch, Agenda, Stift, Radiergummi und Tipp-Ex-Korrekturroller. Damit und mit einer grossen Tasse Tee bewaffnet ackere ich mich durch meine Zeit- und Prioritätenplanung. Aufgaben, Wünsche, Beziehungen und Projekte liegen wie auf einem kunterbunten, hohen Haufen vor mir und möchten in eine sinnvolle Ordnung gebracht werden. Prioritäten, die ich Anfang Jahr gesetzt habe, werden hervorgeholt und einer Prüfung unterzogen. Haben die Dinge wirklich Priorität? Falls nein: Wo und wie können sie mehr Raum erhalten?

Wenn ich von Prioritäten rede, dann meine ich nicht in erster Linie die Dinge, auf die ich Lust habe. Die haben selbstverständlich auch ihren Platz (ich habe jetzt extra nicht nochmals Raum geschrieben). Ich versuche, am Anfang des Jahres sowie in Zeiten wie diesen, wo ich alles nochmals auf den Prüfstand stelle, genau hinzuhören, denn die viel wichtigere Frage als die nach meinen persönlichen Wünschen ist: Wo möchte Gott, dass ich investiere? Wohin soll ich wieviel Zeit und Kraft fliessen lassen? In welche Beziehungen soll ich investieren? In welche Projekte, in welche Themen?

Es ist schon erstaunlich, wie viel ich der Mensch immer tun will, und das in sieben Tagen pro Woche. Sechs, meine ich natürlich; Gordon MacDonald blickt mir vor meinem inneren Auge bereits vorwurfsvoll über die Schulter. Ach ja, der Gordon. Er ist mir in den letzten Wochen richtig ans Herz gewachsen. Sein Buch („Ordne dein Leben“) hat von Anfang bis Ende zu mir gesprochen. Zum Beispiel sagt er (ich gebe es in meinen eigenen Worten wieder): „Wenn ich meinen Raum nicht fülle, wird er von anderen gefüllt. Wenn ich keine Ziele setze, werden sie von anderen gesetzt.“ Oder: „Ich allein trage die Verantwortung für meine Zeit, meinen Raum und meine innere Ordnung. Dafür, auch Ruhezeiten einzuhalten; Leer-Raum freizuhalten, damit ich mich regenerieren kann.“ Hach. Das ist ja alles nicht neu. Aber jetzt grad redet es zu mir, wie wenn er persönlich vor mir stehen und in meine tiefsten Ecken und Winkel hineinsprechen würde. Weil da nämlich grad das Chaos herrscht. Müdigkeit. Enttäuschung. Und gleichzeitig Leere. Und zwar, weil der Raum, den ich Anfang des Schuljahres verspürt habe, durch anstehende (schöne!) Projekte und viel Liegengebliebenes eng geworden ist. Und Enge macht mit mir: Bämm! Lebensfreude weg! Aber die Stimme dieses Buches trifft etwas in mir, gänzlich ohne erhobenen Zeigefinger, und ich spüre, wie etwas Altes wieder neu aufwachsen will. Die Entschlossenheit, dem inneren Menschen Raum zu geben, der inneren Ordnung Priorität zu geben. Ich habe sogar wieder angefangen, regelmässig (sprich: fast täglich) Tagebuch zu schreiben. Anfangs dachte ich noch naiv: Ich habe ja meinen Blog, da verarbeite ich schon vieles!, aber ich merke, wie das „tägliche Aufräumen“, das ehrliche sich eingestehen, wie ich wann gefühlt habe… das macht schon was mit mir. Was sehr Gutes!

Irgendwie war es lange Jahre richtig angenehm, vieles auf „die Kinder“ schieben zu können. Unabkömmlichkeit zum Beispiel, fehlende Zeit, fehlende Kraft. Da ich nun freie Vormittage habe, ist es damit nun nicht mehr getan. Nun kommt ans Licht, wie gut ich mich wirklich abgrenzen, Prioritäten setzen und meine Ziele verfolgen kann. Nun ja, nicht so gut. Bis jetzt. Ich denke auch nicht, dass ich es jemals vollkommen eingeübt haben werde. Auf immer und ewig abgehakt, sozusagen. Nein. Aber ich lege den Stift und die Agenda nicht aus der Hand, bis ich gute Pflöcke eingeschlagen habe und einen Grund-Frieden über meiner Zeit empfinde. Ich kann ihn schon erahnen! Ich weiss, das meine Zeit in den Händen meines grossen Gottes steht und dass er mir hilft, gute Entscheidungen zu treffen.

IMG_4420.JPG

 

 

Ein Gedanke zu „Mit Schaufel und Pickel

  1. Liebe Sonja
    Ich dank dir herzlich für deinen lieben Kommentar auf meinem Blog. Ich bin immer dankbar über aufmerksame Leserinnen. Hab das gleich angepasst. 🙂
    Ich wünsch dir einen guten Sonntag.
    Herzlichst
    Gabriela

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s