Gnade, literweise

Ich möchte eine Ermutigerin sein,
aber mir fehlt oft die Hoffnung, wenn ich an bestimmte Verhaltensweisen meiner Kinder und mir selber denke.

Ich möchte eine Beterin sein,
doch manchmal rege ich mich so sehr über meine Kinder auf, dass ich null Bock habe, für sie zu beten.

Ich möchte eine Friedensstifterin sein,
und doch finde ich mich immer wieder selber inmitten eines Gefechts, auch wenn der Inhalt recht belanglos ist.

Ich möchte Geborgenheit geben
und fühle mich selber oft haltlos.

Ich möchte mit meinem Leben und meinem Sein auf Gott hinweisen,
aber oft kann ich Ihn selber im Gewühl der Emotionen des Alltags nicht entdecken.

Ich trainiere andere Menschen darin, Reich-Gottes-gemäss zu denken
und stelle so oft fest, dass mir selber diese Perspektive fehlt, weil mir das Sichtbare Hoffnungslosigkeit um die Ohren schleudert.

Ich möchte besinnliche Advents-Stimmung leben,
aber ich verbreite Hektik.

IMG_9167

Ich komme zum Schluss, dass ich selber mich so sehr bemühen und abstrampeln kann, wie ich will: Reichen tut’s nie. Die To-Do-Liste wird nicht kleiner, Kind Nummer Drei wird seine nicht einfache Phase nicht abkürzen, sondern intensiv durchleben, Beziehungen werden nicht automatisch unkompliziert, Weihnachtsstimmung klopft nicht an die Türe und nimmt sich den nötigen Raum. Kurz: Es wird nie perfekt sein.

Und doch habe ich immer, immer wieder die Vorstellung, alles wäre in Ordnung, „wenn nur“. Diese „wenn nur’s“ können sich zwar verändern, doch andere Herausforderungen machen sich fröhlich bereit.

Heute Morgen habe ich in mein Tagebuch geschrieben: Ich brauche nicht nur ein tägliches JA zu meinen Herausforderungen, zu meinem Leben, zu mir selber, zu meinen Unzulänglichkeiten, sondern auch Gnade. Literweise. Liebenswürdig, wie Gott ist, verheisst er genau das:

Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer. Jes 54,10

Ganz ehrlich gesagt: Ich mag Gott lieber als König, als Freund denn als Retter oder Erbarmer. Denn da wird mir überdeutlich gezeigt, was ich eben wieder selber gemerkt habe: Dass ich es allein nicht kann. Und ja, ich hab’s lieber andersrum. Aber grad bin ich so butterweichgekocht – unser Kind Nummer Drei verbraucht zur Zeit täglich mein Energie- und Geduldskontingent – dass ich diese Gnade, ja diesen Erbarmer von Herzen gerne annehme.

Ja, ich nehme diese Gnade. Gerne literweise!

 

 

P1010404

8 Gedanken zu „Gnade, literweise

  1. Hallo,
    durch Zufall auf dem „Nur Heute- Blog“ entdecke ich diese Seite, und muß sagen: sowas von, auch mich schmerzlichst auf den Kopf getroffen.Gut das Gottes Gnade unermeßlich groß ist..!Danke Sonja! LG von Doro

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s