Wie en helle Schtern inre dunkle Nacht

En helle Stern inre dunkle Nacht
Hät de Mänsche Hoffnig praacht
Stern, staa still bi öisem Huus
Straal diis Liecht für ali uus
Stern vo Betlehem
Schiin in Stall
Lüücht hüt znacht i öises Huus
Straal, straal überall.
von Andrew Bond

Ein heller Stern in einer dunklen Nacht
hat den Menschen Hoffnung gebracht
Stern, steh still bei unserem Haus
Strahle dein Licht für alle aus
Stern von Bethlehem
Scheine in den Stall
Leuchte heute Nacht in unser Haus
Strahle, strahle überall.

Die dunkle Nacht. Sie wird so oft vergessen in der frohen Erwartung, dass der Stern, das Licht hell leuchten und alles überstrahlen soll. Hoffnung gründet sich darauf, dass ein Zustand verändert werden soll – nicht darauf, dass er schon anders und neu ist. Auch das vergessen wir gerne. Ich jedenfalls.

Die dunkle Nacht, auch wenn sie im Vergleich zu anderen Nöten noch ziemlich hell erscheint, ist die Trauer darüber, dass unsere Morgenessen zur Zeit weder friedlich noch besinnlich sind, sondern hektisch und angespannt. Obwohl ich mir sehr viel Mühe gebe, einen reichhaltigen und liebevollen Frühstückstisch zu bereiten. Wenn Schulkinder und Kindergärtner dann (endlich) aus dem Haus sind, brauche ich eine Erholungspause. – Oder meine zwei besten Haushaltsgeräte, der Backofen und der Staubsauger, die plötzlich nicht mehr richtig funktionieren (über die Festtage – kreisch!).

Diese kleinen dunklen Schatten – Nächte möchte ich sie eigentlich nicht nennen – wollen zur Zeit dafür sorgen, dass ich mich innerlich ergebe. Resigniere. Aber die Erinnerung daran, dass es ja genau die Nacht war, die erleuchtet werden soll, gibt mir wieder Hoffnung. (Die Verzweiflung rührt ja einmal mehr von den Vorstellungen, die ich man so hat!) Und sie weckt meinen Kampfgeist. Soll ich das alte Jahr gehen lassen, umwölkt von kleinen Frustrationen? Nein, dazu habe ich dann doch keine Lust. Sondern ich möchte das Jahr nochmals in Ruhe und Frieden an mir vorbeiziehen lassen, denn es war ein bewegtes Jahr. {Geht es nur mir so, dass ich das Gefühl habe, es ist vorbeigerast?}

Die grösste Veränderung in diesem Jahr war der Umstand, dass seit August alle Kinder im Kindergarten- und Schulsystem sind. Kein Kind mehr zuhause an den Vormittagen, darauf habe ich mich lange sehr sehr gefreut. Das weinende Auge war ungleich kleiner als das lachende. Es ist gut, wie es jetzt ist. Ich brauche die Ruhe der Vormittage und die viel grössere Selbstbestimmtheit und geniesse sie in vollen Zügen. Sie ermöglicht es mir, mit grösserer Energie => mehr Liebe auf meine Kinder zuzugehen. Ich empfinde mich als ausgeglichener und entspannter. Der nächste Schritt heisst nun, die Nachmittage so zu gestalten, dass sowohl meine Kinder als auch ich selber Spass haben. Bisher habe ich vor allem auf die Kinder geschaut und war am Abend platt. Das soll sich in der nächsten Zeit nun ausgleichen. (An dieser Stelle Danke, Christina, für die Ermutigung zum Vertrauen in die längeren Zeiträume! Daran denke ich oft.)

Als wunderschön und Zusammenhalt schaffend habe ich auch unsere Ferien in Erinnerung. Schottland und England im Sommer, Gemeindeferienwoche am Bodensee im goldenen Herbst. Es war einfach nur wohltuend.

Im Herbst durfte ich ein Gebetstraining in unserer Kirchgemeinde durchführen. Der Plan war ja eigentlich, die Beine hochzulegen, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Die Mäuse haben nun aber nicht getanzt, sondern täglich an diesem Training gearbeitet. Mit grosser Freude und viel persönlichem Gewinn. Es hat mich selber nochmals neu an das Thema Gebet geführt und ich wurde einige falsche Vorstellungen los.

Die Weihnachtszeit erlebe ich ganz anders als das letzte Jahr, wo sie mir wie eine einzige grosse To-Do-Liste vorgekommen ist. Da wir schon nach den Sommerferien gemütlich mit Basteln und Werken begonnen haben, ist mir die Entspanntheit nun schon fast unheimlich. Plätzchen haben ausschliesslich die Kinder gebacken (mit meiner Unterstützung; da musste ich schon das eine oder das andere Mal meine Ungeduld herunterschlucken). Jedes durfte eine Sorte wählen und dann davon auch an die Lehrpersonen verschenken. Das hat sehr gut geklappt.

Gewachsen in diesem Jahr ist meine Liebe zu den Kindern. Ich merke, dass ich Selbständigkeit enorm schätze, und sie sind in vielem echt „gross geworden“.

„Gewachsen“ ist auch mein Blog. Nachdem ich einige Zeit einfach etwas vor mich hergebloggt hatte, kamen in diesem Jahr plötzlich Rückmeldungen und Kommentare, über die ich mich sehr freue. Ich habe Menschen auf schriftlichem Weg und zwei sogar persönlich kennengelernt, was ich sehr cool finde.

Gewachsen ist auch die Erkenntnis, dass das Leben wellenförmig ist. Dass alles in Zeiten unterteilt ist. In manchen Zeiten sind die Liebe und Energie gross. In anderen Zeiten zehre ich von den guten Zeiten und hangle mich so durch. In manchen Zeiten habe ich voll die Sicht für die Berufung meiner Kinder, für mich selber, für unsere Familie – dafür, was Gott am Tun ist und was noch kommt. In anderen Zeiten fühle ich mich blind und benebelt. Was in diesen Zeiten innerlich passiert, weiss ich eigentlich nicht. Ich weiss nur, dass sie existieren. Und je mehr ich lerne, sie anzunehmen (umarmen wäre jetzt grad etwas viel gesagt), desto entspannter kann ich mit ihnen umgehen.

Hach, es war ein gutes Jahr. Ich bin total dankbar – dem Schöpfer des Lebens. Er ist gut! Von Herzen wünsche ich Euch frohe Festtage!

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12 Gedanken zu „Wie en helle Schtern inre dunkle Nacht

  1. Ich freu mich so, dass ich deinen wunderbaren Blog gefunden habe! Übrigens empfinde ich das Alleinsein am Vormittag ganz ähnlich wie du 🙂 Allerdings werde ich wohl im neuen Jahr langsam der Frage nachgehen müssen, ab wann und wie viel ich arbeiten kann *seufz*. Aber auch das wird Gott führen… Ich wünsch dir von Herzen gesegnete Feiertage und ein hoffnungsvolles neues Jahr, Martha

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    1. Vielen Dank, liebe Martha. Und ich kann das Kompliment nur zurückgeben! – Genau, der Vormittag: Mein letzter Stand bei dir war „Hach, mal sehen!“ 😀 Von Herzen wünsche ich dir alles Liebe und Gute für diese Festtage und das neue Jahr!

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  2. Was für gute Gedanken zum Jahresende. (und dass jetzt auch schöne Bilder die Worte noch unterstreichen ist auch richtig toll!). „Das Leben ist wellenförmig“ – was für eine wahre Erkenntnis! Daran will ich denken, das hilft mit auch ein bisschen gnädiger und geduldiger zu sein – mit dem Leben, mit anderen und mir mir. Gesegnete Weihnachten für euch, dass das Lüücht hell strahlt, gerade dann wenn die Tage ein bisschen längere Schatten werfen. Liebe Grüße! Christina

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  3. Frohe Weihnachten, liebe Sonja! Ich profitiere so sehr von den Texten und Gedanken anderer Frauen in ähnlicher Lebenslage und vielleicht auch ähnlicher Lebensgrundlage. Dieses Jahr für mich ein echter Zugewinn. Das Thema „Arbeit“ lauert 2018 für mich auch im Hintergrund, denn meine Elternzeit wird enden. Das ängstigt mich sehr, denn langweilig ist mir gerade eigentlich nicht. Aber jetzt wird erstmal Weihnachten. Und dann Schrittchen für Schrittchen. Liebe Grüße

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    1. Liebe Sandra, danke! Dir von Herzen auch! Und es geht mir genau gleich, ich empfinde den „Austausch“ als seehr bereichernd und ermutigend. – Viel Weisheit bei allen Entscheidungen (die erste, Schrittchen für Schrittchen, find ich schon mal super) und herzliche Grüsse!

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