…und jetzt?

Das alte Jahr ist vergangen, das neue hat begonnen. Es liegt vor mir wie ein weisses, unbeschriebenes Blatt, wie Sandra es so anschaulich beschreibt.

Der Alltag hat wieder Einzug gehalten: Um neun Uhr morgens wische ich Frühstücks-Überbleibselchen vom Tisch, räume schmutzige Socken weg, marschiere durchs Haus, um frische Luft hereinzulassen und abgestandene hinaus. Ein neuer Tag – ein Schul- und Kindergartentag, um genau zu sein. Mittags stehen wieder Schulranzen im Eingangsbereich, zusammen mit Schuhen voller Erde und hingeworfenen Jacken. Es ist viel zu warm für Januar; der Boden ist nicht gefroren, sondern eine unbeversiegbare Quelle von Schmutz, der sich vorzugsweise an Schuhen, Hosen und Händen festklebt.

Es ist Zeit, die Weihnachtsdekoration wegzuräumen. Schliesslich sind die Festtage vorbei! Der Baum kam wie jedes Jahr am Montag nach dem Drei-Königs-Tag aus dem Haus. Jede Christbaumkugel und jedes Figürchen wurde von Franco liebevoll in die Schachtel zurückverpackt und im Keller verstaut.

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Ich hingegen zögere mit dem Verräumen. Der wunderschöne Papier-Adventskalender vom Sellmer-Verlag bleibt noch etwas stehen. Nur schon als Kompensation für den nicht vorhandenen Schnee. Natürlich sehe ich, dass sowohl sich die aufgestapelten Geschenke im Wohnzimmer als auch die Sterne- und Christbaumkugel-Dekoration langsam wieder in ihre Heimat im Keller zurückziehen dürfen, aber: Was kommt jetzt? Adventszeit vorbei, Weihnachten vorbei, Silvester vorbei, alles ordentlich gefeiert und genossen, und jetzt? Es ist Winter ohne Winter zu sein, und der Frühling ist noch lange nicht in Sicht. Das heisst, frühlingshaft ist das Wetter zur Zeit schon, aber im Grunde will ich das noch gar nicht. Es ist Januar, da will ich keine vorgezogene Freude. Auch wenn ich sehr dankbar bin, dass wir hier keine Schneestürme haben.

In einer Tageszeitung las ich den Tipp, die Wohnung oder das Haus in Grün zu dekorieren – in Vorfreude auf den Frühling, der bald ins Haus steht. Das finde ich schön, aber ich frage mich trotzdem: Darf auch einmal Raum für – nichts sein?

Viel – das kenne ich und das kann ich. Aber Nichts? Das ist etwas anderes.

Dieses Mal bin ich ungleich sanft ins Neue Jahr hinübergeglitten: Vor ein paar Tagen hatte ich das grosse Glück, eine Nacht und einen Tag in einem Haus der Stille verbringen zu dürfen. Ich bin um 20h eingeschlafen! Am nächsten Tag habe ich mir viel Zeit genommen, um mit dem Tagebuch das alte Jahr zu reflektieren und zu verabschieden. Fürs neue Jahr war ich mit Gott im Zwiegespräch: Was soll Priorität haben? Wo hinein soll ich meine Zeit und Energie in erster Linie investieren? Gottes Antwort war sehr simpel. Er hat mir zwei naheliegende Bereiche gezeigt, das wars. Ich war fast ein bisschen enttäuscht. Jetzt hatte ich doch so viele hochfliegende Gedanken gehabt, Visionen und Träume. Und ein ganz bestimmter Traum nistet sich immer mehr in meinem Herzen ein. Aber nichts davon. „Einfach das – und das. Und das Fundament soll deine Nähe zu mir sein, das wird alles tragen.“

Wenn Gott es so einfach haben kann, wieso soll ich dann etwas hinzufügen? Ich spüre auch, dass mir dieses tiefe Wenige Freude macht. Mich freisetzt. Weil es mich nicht überfordert und überwältigt. Sondern Raum lässt.

Ich beschliesse, mir für das Verräumen der Weihnachtsdekoration viel Zeit zu lassen und sie nicht mit schönen Vasen, Bildern oder Tulpen zu ersetzen – obwohl ich da sehr versucht bin, denn Tulpen gehören zu meinen absoluten Lieblingsblumen! – sondern die Leere noch ein Weilchen zu geniessen.

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2 Gedanken zu „…und jetzt?

  1. Danke liebe Sonja. Meine Fensterbänke sind seit drei Könige so leer und ich suche in jeder freien Minute hektisch(er) nach Dekoinspirationen. Deine Gedanken haben mich nun sehr entspannt. Du hast so recht. Es darf auch mal nichts sein.

    Und wie schön, dass du dein neues Jahr mit einem kleinen Aufenthalt im Haus der Stille starten konntest.

    Segen dir!

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