Mein Zufluchtsort

Heute ist es soweit: Die Frühlingsausstellung in Dübendorf beginnt! Nach einer langen Pause bin ich mal wieder dabei mit Dutzenden von Cupcakes, Cake Pops, Etagèren und vielem mehr. Im Hause Sorbara wurde in den letzten Tagen gebacken, was das Zeug hält, verziert und dekoriert, verpackt und angeschrieben. Das Auto steht beladen auf unserem Parkplatz. Ganz viel Vorfreude mischt sich mit der Angst: „Was, wenn ich nichts verkaufe? – Was, wenn ich auf all diese süssen Köstlichkeiten sitzenbleibe?“ Ich darf gar nicht daran denken. Und richte bewusst den Fokus auf andere Dinge: Den Sechsjährigen, der meint: „Ich freue mich sooo auf die Ausstellung!“. Darauf, dass meine Kinder ohne zu murren viermal in der Woche Teigwaren in allen Variationen vorgesetzt bekommen haben und es hinnehmen, dass ich tagsüber wenig Zeit zum Geschichten erzählen habe. (Es ist ja kein Bulgur, Quinoa oder Couscous…) Diese Woche ist eine Arbeitswoche, und es macht mir grosse Freude.

In dieser Woche brauche ich mehr als sonst einen Anker. Mein „Stille-Plätzchen“ in der Stube, wohin ich mich frühmorgens, so ich es denn hinkriege, zurückziehe und mit Jesus einen Kaffee trinke, Tagebuch schreibe, in der Bibel lese und für meine Kinder bete (selten schaffe ich all diese Punkte). Zur Zeit bin ich sehr angetan vom Andachtsbuch von Peter Scazzero: „Mitten am Tag bist du mir nah“. Es enthält zwei Andachten pro Tag, eine Bibelstelle, einen Gedankenanstoss, einen Impuls für die Stille und ein Gebet. Am Anfang und am Schluss zwei Minuten Stille. Für mich eine gute Art, um herunterzukommen und bei mir selber zu bleiben. Ich tendiere dazu, mich selber etwas zu verlieren, wenn viel los ist. Ach ja, dazu schreibt er etwas, das mich sehr betroffen gemacht hat (ein Zitat von Eugene Peterson):

„Ich bin beschäftigt, weil ich eitel bin. Ich möchte wichtig erscheinen. Was könnte da besser sein, als viel zu tun zu haben? Mein überfüllter Terminkalender, mein wahnsinniges Arbeitspensum und die hohen Anforderungen an meine Zeit beweisen mir selbst und allen, die es bemerken, dass ich wichtig bin. {…}
Ich bin beschäftigt, weil ich faul bin. Ich lasse andere entscheiden, was ich zu tun habe, anstatt resolut selbst zu entscheiden. C. S. Lewis betonte immer wieder , dass nur faule Menschen hart arbeiten. Indem ich auf die unentbehrliche Arbeit verzichte, Entscheidungen zu treffen, zu führen, Werte zu definieren und Ziele zu setzen, lasse ich andere Menschen dies für mich tun.“

Die zweite Begründung (mit der ersten setze ich mich seit sehr langer Zeit auseinander) ist mir total eingefahren. Mit anderen Worten: Weil ich zuwenig Verantwortung übernehme, bin ich gestresst. Diese Worte haben sehr zu mir gesprochen und veranlassen mich, mich nochmals hinzusetzen und zu planen und zu überdenken, wenn ich grad im Hamsterrad bin.

So ziehe ich mich wann immer möglich auf meine Sofaecke zurück. Schon nur ein einziger Vers aus der Bibel, eine Tasse Tee, ein kurzes Verschnaufen bringen mich näher zu Jesus. Es ist, wie wenn dieser Platz bereits für Jesus vorgewärmt werde dadurch, dass ich ihn hier fast täglich treffe. Ich liebe diesen Ort und bin dankbar dafür.

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Immer wichtiger wird mir aber auch der innere Zufluchtsort – den in meinem Herzen, den ich überallhin mitnehmen kann. Der wächst nur langsam; ich bin sehr oft noch dem Äusserlichen verhaftet, einem ruhigen Ort, Schönheit, einer Begegnung. Meine Herausforderung wird es heute und in den nächsten zwei Tagen jedoch sein, aus dem inneren Zufluchtsort Kraft zu schöpfen. Die innere Burg, wie Teresa von Avila sie nennt. Da bin ich noch schwer am Üben. Was mir hilft: Den Namen Jesus (oder: Jesus Christus, oder: Jesus Christus, Gottes Sohn) lautlos zu denken. Einatmen: Jesus. Ausatmen: Christus. Oder ein Lied; lustigerweise sind es oft die alten aus Kindertagen, die ich innerlich summe. Oder ein Bibelvers. Der Psalm 23 ist altbekannt, aber immer wieder staune ich über diese Worte und denke: Wenn ich nur einen Vers davon wirklich verstehe, verstehe ich sehr, sehr vieles: „Gutes und Barmherzigkeit werden dir (mir) folgen dein (mein) Leben lang.“ Ich meine, wie krass ist das denn? Glaube ich das? Oder: „Mir wird nichts mangeln.“ Wie oft lebe ich aus dem Mangel? Und denke, ich muss mich um mich selber sorgen, sonst kriege ich nichts ab, vom Kuchen? Ich wünsche mir, dass mich diese beiden Verse die Ausstellung über begleiten mögen.

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Manchmal kommt auch Gott mitten in meine Situation hinein, in meine (diesbezüglich kleinen) Ängste und Sorgen. Da ruft eine liebe Freundin an und reserviert sich gleich zehn Cupcakes. Das kommt mir vor wie eine liebevolle Umarmung von Gott, vielleicht noch mit den Worten: „Ich sehe dich.“ Manchmal stelle ich mir auch vor, dass Gott mich mit einem Lächeln im Gesicht liebevoll tätschelt: „Ja, ja…“ Der Verkauf von Süssigkeiten ist ja eigentlich nichts Wichtiges. Und doch darf ich auch darin Gottes Güte und Barmherzigkeit erleben durch diesen lieben Anruf.

Mein Zufluchtsort: Der Gott, der mich sieht. Und über mir lächelt.

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2 Gedanken zu „Mein Zufluchtsort

  1. Ach, was ein schöner Zufluchtsort! Gerne würde ich da Platz nehmen und etwas von diesen leckeren Köstlichkeiten verputzen….und eine Weile wahrhaft fleißig sein. Mumm, das wäre fein. Ein erfolgreiches und erfülltes Wochenende wünscht dir Sandra

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  2. Vielen Dank für deine Gedanken und für die Zitate, die haben mich ins Nachdenken gebracht und das gefällt mir 🙂 Ich wünsche dir auf jeden Fall, dass dir deine innere Burg ein wunderschönes Zuhause wird – ich liebe Teresa von Avilla und ihre Art Gottesbeziehung auch sehr…freu mich, dass ich da nicht alleine bin 😀

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