Das grosse Aufräumen

Endlich komme ich wieder einmal dazu, in Ruhe unser Haus aufzuräumen und zu saugen. Zu lange, für meinen Geschmack, habe ich mir nicht mehr dafür Zeit genommen. Wo nur beginnen? Von Martha weiss ich, dass es eine Basiszone gibt. Wenn diese einigermassen aufgeräumt ist, fühlt man sich auch im Chaos noch wohl. Ich habe leider gleich mehrere Basiszonen und beginne mit der offensichtlichsten, dem Hauseingang. Der Nachteil an einem grosszügig gebauten Haus ist, dass im Hauseingang nicht nur genügend Platz für Kleider, Schuhe und Kinderwagen ist (den wir zum Glück nicht mehr benötigen), sondern auch für allerlei Taschen und Kleinigkeiten, die woandershin gehörten. Eigentlich. Also packe ich da munter an und werfe grosszügig weg. Wegwerfen, das konnte ich glücklicherweise schon immer gut. Neues kaufen auch. So gleicht sich alles wieder aus.

Der Hauseingang ist aufgeräumt. Innere Ruhe kehrt ein. Äusserliche Ordnung bringt mein Herz zuverlässig zur Ruhe.

Ich verräume als nächstes liebevolle Geschenke für unsere ganze Familie, die eine wunderbare Frau aus Deutschland mitgebracht hat. Ich lasse den Tag Revue passieren. Ich war am Morgen zu einem Interview im „Mom’s Coffee“ im Bucheggzentrum Zürich eingeladen worden. Mein Lebensweg sollte das Thema sein, Titel: Von der Tiefe in die Fülle. Ich war während des gesamten Interviews, obwohl im Vorfeld sehr nervös, übernatürlich ruhig und total bei mir selber. Viele Rückmeldungen, noch mehr Geschenke und wunderschöne Begegnungen hatten diesen Morgen verzaubert. Etwas vom Schönsten war, eine Blogger-Freundin kennenzulernen, die ich bis dahin nur per E-Mail gekannt hatte. Durch sie hatte mich eine der Leiterinnen des „Mom’s Coffee“ überhaupt kennen gelernt, obwohl wir sehr nahe wohnen. Sie legte mit ihrer Freundin über drei Autostunden zurück, um an diesen Anlass zu kommen und Deborah und mich zu treffen. Das hat mich extrem berührt. Am Nachmittag durfte ich die beiden Frauen in unserem Café und in unserem Zuhause zu Gast haben. Wir redeten von Herz zu Herz. Ein voller, erfüllter, bewegender Tag.

Im Esszimmer sauge ich winzige Zuckerkügelchen auf. Hier fand ein Cupcake-Workshop statt. Erinnerungen an einen schönen Abend kommen auf. Und auch an meine Entscheidung, dass ich ab Sommer mit Back-Workshops aufhören werde. Wie es dazu kam? In den letzten Wochen fühlte ich mich sehr oft müde und ausgelaugt. Während draussen die Sonne schien und viele Blumen in unserem Garten in ihrer vollkommensten Schönheit erstrahlten, fühlte ich mich müde und gereizt. Mein Stapel auf dem Schreibtisch war unübersichtlich geworden, der Haufen Kleider auf dem Stuhl in unserem Badezimmer riesig. Mein Blog? Gerade im Winterschlaf. Gordon MacDonald („Ordne dein Leben“) wüsste sicherlich sofort die richtige Diagnose: zuviel. So wie es Basiszonen gibt, gibt es auch die Bereiche, die bei innerlicher Unordnung zum Chaos verkommen. Bei mir sind das der Schreibtisch und der Kleiderstuhl. Sie sind die Seismographen meiner Seele.

Ich gestehe es mir nicht gerne ein, aber: Schon wieder muss ich mich hinsetzen und Bilanz ziehen. Was will ich eigentlich? Was muss ich? Und, ganz wichtig: Was springt über die Klippe? Ein Beitrag von Veronika Smoor hat in meinem Herzen zack-bumm eingeschlagen, und ich wusste, was zu tun ist: Mich zu trennen von Dingen, die zwar schön sind, aber trotzdem viel Kraft kosten. Kraft, die ich, wenn ich ehrlich bin, zur Zeit nicht habe. Oder nicht dafür. Ich habe das Vorrecht, die Dinge tun zu dürfen, bei denen ich mich wie ein Fisch im Wasser fühle: Gebets- und andere Trainings in unserer Kirchgemeinde, Familie haben, backen. Schreiben. Meiner Kreativität freien Lauf lassen. Wenn ich diese Dinge weiterhin tun möchte – und das will ich! – dann kann ich nicht jede freie Minute verplanen. Dann brauche ich Zeit, um Schätze zu sammeln. Aufzutanken. Aus der Leere kann nichts fliessen. Punkt. Ich bin so gemacht, dass ich zwar schaurig viel auf die Reihe kriege, aber auch lange Regenerationszeiten brauche.

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Mir fällt ein Buch in die Hände: „Lebe gefährlich“ von Mark Batterson. Das Buch hat mich sehr inspiriert. Nicht weil der Gedanke neu ist: Lebe gefährlich für Jesus, gehe aufs Ganze, und sei frei von dem, was dich daran hindert (Ängste, Routine, Annahmen, Versagen, Schuld…). Sondern weil mich etwas daran tief berührt hat. Vermutlich war es einfach der richtige Zeitpunkt, um es zu lesen, wie so oft. Ich denke an eine Herzenssehnsucht, die durch das Buch wieder neu geweckt wurde. Nämlich diejenige, meine sorgfältig erarbeitete (s. oben) Komfortzone immer wieder zu verlassen und aufs Wasser gehen. Risiken einzugehen und Wunder zu erleben. Ich habe grad keinen Plan dafür, einige Ideen und Gedanken, aber ich möchte nicht „dreinschiessen“ (auch: siehe oben). Ich spüre so ein Ziehen. Und bin gespannt, wo es mich hinführt.

4 Gedanken zu „Das grosse Aufräumen

  1. Liebe Sonja
    Du hast es auf den Punkt gebracht, auch ich mit meinen bald 3 mal 20 Jahren mache dies jetzt dieses Jahr😊 herzlichen Dank für Deine mutigen Zeilen🌹

    Gefällt mir

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