Es reicht!

Vergleichen ist doof. Es macht unfröhlich und grätig. Und vor allem, es hat keinen Nutzen. Nicht die Spur! Im Gegenteil: Es schadet der Seele. Die Redensart „nützt es nichts, so schadet es nicht“ ist in diesem Falle eine glatte Lüge.

Das weiss ich. Und trotzdem: Wenn ich innerlich Sätze für meinen Blog formuliere, kommt mir der Gedanke, dass das auch viel eloquenter ginge. Viel schöner! Überhaupt, schwingt da die Frage gleich mit, von wieviel Belang sind meine Gedanken? Warum denke ich denn eigentlich, dass ich etwas zu sagen habe? Gibt es nicht zu jeder Idee, zu jedem Thema bereits Hunderte guter Texte? Was können meine Worte da beitragen? Machen sie einen Unterschied?

Cupcakes. Mein Ding! Ich stöbere im Web. Nicht nur Pinterest, sondern auch Facebook liefern mir zwar Inspiration, aber auch perfekte, unerreichbar erscheinende Vorlagen. Da sehen alle Cupcakes gleich hübsch aus. Tiere und Figuren aus Fondant, wohin das Auge sieht. Ich kann nur Blumen. Überhaupt, wie die Fotos gemacht wurden, ist einfach ein Hingucker. Jedes Detail stimmt, auch die wie zufällig wirkende Puderzuckerspur, das kleine nostalgische Sieb und der Tortenständer im Hintergrund. Dann lese ich von einer etwas jüngeren Frau, die Cupcakes und Hochzeitstorten bäckt, Kurse gibt und sogar Firmen beim Aufbau ihrer Dessertbüffets berät. Ich habe gerade eine längere Kurs-Pause eingeplant. Hochzeitstorten habe ich nicht im Angebot, und erst zweimal hatte ich eine Anfrage für ein Dessertbüffet, ist aber lange her.

Wo ich auch hinschaue: Überall entdecke ich irgend jemand, der etwas besser, schöner und professioneller macht als ich. Überall, wo ich hingucke, entdecke ich mindestens eine Sache, die die meine übertrifft. Bei den Dingen, wo ich am Anfang stehe, betrachte ich das als Inspiration. Wo ich mich kompetent fühle oder ehrgeizig bin, schüchtert es mich ein. Nein, es schüchtert mich nicht nur ein. Es bedrückt mich und hinterlässt in mir das Gefühl, ganz und gar zu versagen.

Ich vergleiche mich. Das nützt nichts, schadet aber meiner Seele. Und obwohl mir das bewusst ist, fühle ich mich grad überhaupt nicht fähig, es zu ändern. Ich wage es nicht, bei schönem Wetter meine Fensterscheiben in Augenschein nehmen, oder in den Kleiderschrank eines Kindes schauen, nachdem es einen Stapel frisch gewaschener Wäsche verräumen musste. Ich weiss, dass das meiner Stimmung nicht zuträglich wäre. Auch solche kleinen Dinge können mir hämisch zuflüstern, dass ich nichts auf die Reihe kriege. Unwichtig, ob es um den Haushalt, die Kindererziehung, die sportliche Betätigung,  beruflichen Erfolg oder um die Menge von Klicks und Klacks geht: Wenn ich darauf achte, wie ich im Vergleich zu anderen abschneide, hat das immer Bedrücktheit und Minderwert zur Folge. Manchmal auch Stolz, weil irgend eine Leistung gerade besser erscheint als diejenige eines anderen. Das ist aber nur ein abgestandener Nachgeschmack von wahrer Freude.

Eine Frage drängt sich auf: Woraus beziehe ich meinen Wert? Was ermutigt mich? Wenn ich mich im Vergleichs-Modus befinde, sind es eindeutig die Reaktionen und Rückmeldungen von anderen Menschen. Ich brauche Bestätigung von aussen, dass ich es toll mache.

Ich glaube nicht, dass mir Anerkennung von anderen Menschen gleichgültig sein muss. Sowohl von Samuel als auch von Jesus wird in der Bibel ein besonderes Merkmal beschrieben: „Der Junge Samuel aber nahm immer mehr zu an {…} Gunst bei dem HERRN und bei den Menschen“ (1 Sam 2,26), und „Jesus nahm zu an Weisheit und Alter und Gunst bei Gott und Menschen“ (Lk 2,52). Ganz ehrlich: Wertschätzung von Menschen tut gut. Sie kann eine wichtige Bestätigung sein. Aber sich über etwas zu freuen und abhängig von etwas zu sein, sind zwei Paar Schuhe. Jesus, der wie gesagt zunahm an Gunst bei den Menschen, grenzte sich ganz klar ab gegenüber der Abhängigkeit von Menschengefälligkeit: „Ich nehme nicht Ehre von Menschen“ (Joh 5,41). Ich nehme nicht. Dieser Teilsatz klingt in mir nach.

Mit meinem Tagebuch auf dem Schoss, an meinem vorgewärmten Platz auf dem Sofa, vertraue ich mich Jesus an. Im vollen Bewusstsein, dass er mich nicht gross bemitleiden wird. Denn tief unten weiss ich, dass ich nicht wirklich zu bedauern bin, sondern dass ich im Selbstmitleid bade. Es gibt da einen klitzekleinen Schalter, den es umzudrehen gilt. Der Schalter reguliert meine Blickrichtung vom Jammer zur Dankbarkeit. Dabei muss ich nichts schönreden. Ich muss mir nicht vormachen, dass ich „gut“ bin. Die Einladung lautet, JA zu meinen Grenzen zu sagen. Dazu, dass ich nicht perfekt bin und es auch nicht sein muss. Dazu, dass ich bin, wer ich bin, mit meinen Fähigkeiten und Schwächen, meinem Heilen und meinem Unfertigen. Dass ich, so wie ich bin, ausreiche.

Eine Freundin von mir, die manchmal mit ähnlichen Gedanken kämpft – sie ist Künstlerin – sagte mir: „Weisst du, ich denke dann jeweils an den kleinen Buben mit seinen Broten und Fischen, und dass das gereicht hat. Ich sage mir, dass ich meine wenigen Brote und Fische hingebe, und dass Jesus damit etwas anfangen kann.“

Zurück zum Sofa mit Jesus. Tatsächlich, er bemitleidet mich nicht. Er ist aber auch nicht ärgerlich, dass ich ein weiteres Mal mit solchen Gefühlen kämpfe. Ich an seiner Stelle würde wohl leicht genervt und ungeduldig mit den Fingern auf den Tisch trommeln. Nichts davon. Stattdessen die liebevolle Erinnerung an das, was er für mich bereit hält. Und was er mir alles geschenkt hat. Und dann die Frage, ob ich es nehmen will? Der Schalter. Ich will ihn nicht umdrehen! Ich will lieber ein Wunder, eine übernatürliche Begegnung, etwas Krasses. Aber die Einladung steht geduldig und still. Seufzend kapituliere ich und sage Ja. Unsicher noch, mit überfliessenden Augen, als ich auf einen Punkt blicke, für den ich gerade in diesem Moment nicht dankbar sein kann, sondern den ich als grossen Mangel empfinde. Ich bin an der Wurzel angelangt, beim eigentlichen Problem. Das Problem hat unbewusst genagt und ausgehölt, und ich habe es wuchern lassen. Aber die Lösung liegt ebenfalls vor mir. Heilen kann ich mich nicht selber, dass muss Jesus übernehmen. Aber Ja dazu sagen, dass ich mich heilen lassen will, und darauf vertrauen, dass er für den Rest sorgt – den Schalter umkippen – das ist mein Job. Denn seinen Job, das Heilen, das hat Jesus schon immer liebend gerne gemacht. Das weiss sogar meine unruhige Seele.

Wenige Stunden später bin ich am Vorbereiten von Dekorationen für Hochzeits-Cupcakes. Meine Hände sind beschäftigt, mein Geist frei. Ich suche mir eine Predigt heraus und lande bei „Das Königreich Gottes und der übernatürliche Lebensstil“ von Kingdom Impact. Ich lasse mich ungefähr drei Stunden lang von Predigt und Bibelworten durchtränken und durchfliessen, während meine Hände Fondant auswallen, prägen, färben und ausstechen. Ich fühle mich wie innerlich gereinigt und spüre, dass ich tief drin gestärkt werde. Es ist eine Art zaghafte Stärke, aber ich spüre, dass in mir etwas aufsteht. Die Entschlossenheit, mich festzuhalten an diesem Jesus, der alles weiss und alles sieht und mich trotzdem über alles liebt, der Leben und Hoffnung für mich hat. Ja, mit ihm will ich weiterstolpern, und im Vertrauen darauf, dass er etwas daraus macht, fröhlich weiterhin mein Brot und meine Fische in die Waagschale werfen. Im Vertrauen darauf, dass es reicht!

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5 Gedanken zu „Es reicht!

  1. Liebe Sonja, dieses Thema beschäftigt mich auch oft. Es ist so befreiend, nicht zu vergleichen, aber wir sind immer wieder herausgefordert, gerade dort, wo es uns wichtig ist und wir uns steigern wollen. Zum Glück wissen wir, wo wir andocken können, wenn uns die Zweifel plagen 🙂 Herzliche Grüsse!

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