In the Bubble

Ich atme regelmässig ein und wieder aus. Die Sonne scheint mir warm ins Gesicht. Nicht so heiss und stechend wie in den letzten Wochen, sondern auf eine sanfte, freundliche Art, wie sie sie seit Freitag, wo die Temperaturen einbrachen, drauf hat. Ein, aus. Ein, aus. Ich renne bergauf und komme zum geraden Stück im Wald. Es ist mein liebstes auf meiner kleinen Joggingrunde. Wenn ich da ankomme, sind die wilden, unkoordiniert herumhüpfenden Gedankenfetzen meist etwas zur Ruhe gekommen. Hier habe ich den Überblick über unseren Teil der Stadt Zürich. Er wirkt so ruhig. Auch ich werde ruhig und atme weiter. Es tut gut, meinen Körper zu spüren, ausserhalb des Schleppens von Einkaufstaschen, des Putzens und Saugens.

Zuhause angekommen, inspiziere ich während des Ausschwitzens den Kühlschrank. Eine halb volle Schüssel mit Couscous strahlt mich an. Couscous ist ein Lebensmittel, das ich hochgradig praktisch finde, nur: Meine Familie mag es überhaupt nicht. Das liegt daran, dass es immer als Notnagel um fünf vor zwölf herhalten muss und niemals raffiniert zubereitet wird, sondern immer sehr einfach, mit einem Spritzer Zitrone und etwas Olivenöl. Ehrlich gesagt, ich finde es selber sehr trocken so. Vor einiger Zeit habe ich beschlossen, dass ich dem bemitleidenswerten Couscous ein neues Image verpassen möchte. Ich habe nämlich auf einem Abschiedsfest eine wunderbare Salat-Variante davon verzehrt. Bei Jamie Oliver finde ich glücklicherweise gleich ein Rezept, von dem ich die meisten Zutaten im Haus habe, und probiere es aus. Der Salat schmeckt absolut fantastisch, und ich beschliesse, die Kinder bald einmal damit zu überraschen (note to self: Zutaten pürieren!).

Es ist ruhig im Haus. Meine wunderbare Mutter, die seit der Geburt unseres ersten Kindes vor zehneinhalb Jahren bis zum Kindergarteneintritt unserer jüngsten Tochter letzten Sommer wöchentlich einen Tag in die Kinder investiert hatte und es immer noch tut, hat heute morgen alle vier abgeholt. Als sie davonfuhren, wurde ich etwas rührselig und habe ein kleines Tränchen verdrückt. Danach musste ich mich erst einmal sortieren. Ich habe nämlich einen freien Tag, leer und unverplant. Das einzige, was ich mir vorgenommen habe, war: Pause zu machen.

Seit wir aus den Ferien zurück sind, fühle ich mich wie in einer Luftblase. Irgendwie weit ab jeglichen Geschehens, ausser dem in der echten Welt, das sich in Berührdistanz abspielt. Ich checke weniger E-Mails, interessiere mich nicht im Geringsten für meine Blogstatistik und leiste mir Facebook oder Instagram als seltenes Vergnügen. Leute, die mir Nachrichten schicken, müssen zur Zeit eher lange warten. Das ist alles sehr untypisch für mich. Im normalen Leben bin ich eher eine unruhige Person, und ich habe mir leider den regelmässigen Blick aufs Smartphone angewöhnt. Mein eigenes Empfinden und Anregungen aus dem literarischen Umfeld (z.B. hier) führten zum Entschluss, eine persönliche Challenge – so werden Vorsätze heute ja genannt – durchzuführen. Ich versuche, mein Handy tagsüber nur noch selten anzustarren, und habe entschieden, dass es zumutbar ist, wenn What’sApp-Nachrichten unter Umständen ein paar Stunden warten müssen. Wer hat mir eigentlich befohlen, ständig erreichbar zu sein? Während ich das schreibe, packt mich die Angst. Werde ich es schaffen – jetzt, wo ich es öffentlich deklariert habe?? Nun ja, ich wage es trotzdem.

Die Luftblase hat auch meine Kinder erwischt. Nach ein paar Tagen in Zürich fragte mein Grosser, wer von seinen Freunden wohl auch nicht mehr in den Ferien sei. Um sich dann gleich selber zu antworten: „Eigentlich will ich gar niemanden treffen.“ Diese Aussage hat mich voll berührt! Anscheinend sind wir, seine Familie, genug! Genug für das Kind, das sonst immer mehr, immer etwas anderes will, das ähnlich rastlos wie seine Mutter ist, immer auf der Suche nach Anregung und Leidenschaften. – Genau das mag ich an Ferien. In den drei Wochen England wurde gestritten wie wild, es wurde diskutiert, gebrüllt und gar geschlagen. Aber es wurde auch viel gelacht, umarmt, gesegnet und erzählt. Es war oft genug herausfordernd für mich, immer unter meinen Lieblingsmenschen zu sein, ohne Pause, so sehr ich es genossen habe. Ich freue mich auch riesig auf meine Rückzugs-Orte, sprich die paar Stunden der Ruhe am Vormittag, mit einer gleichzeitigen Wehmut und Sehnsucht nach einer weiteren Familien-Auszeit. Und so geniesse ich unsere Familien-Luftblase noch ein bisschen. Nächste Woche ist die Kinderferienwoche unserer Kirche, das erste Mal dürfen alle Kinder dabei sein. An einem der fünf Nachmittage mache ich mit, meine Freundin und ich backen Cupcakes mit Tiergesichtern mit den Kindern, und ich freue mich auf den lauten, klebrigen, süssen Nachmittag. Und dann werde ich die verbleibenden vier Nachmittage allein ebenfalls geniessen und auskosten und mich langsam, langsam wieder an das Leben „da draussen“ gewöhnen, mit all seinen Anforderungen und Terminen und ach so wichtigen Listen… So, ich gehe zurück in meine Luftblase, lasse euch mit einer (Achtung: riesigen) Bilderflut und wünsche euch den herrlichsten Spätsommer!

England_2018.07_007
Hinfahrt mit Frühstück im immer gleichen Café:
England_2018.07_009
Voilà! Die Kellnerin kennt uns schon!
England_2018.07_030
Cornwall

England_2018.07_039

England_2018.07_042
St. Ives (Cornwall)
England_2018.07_070
Ich, nur halbwegs entspannt

England_2018.07_076

England_2018.07_084
Real friends!!!
England_2018.07_098
Need I say more?!
England_2018.07_133
Gelateria mit einer einzigen Sorte Eis: Clotted Cream. Sowas gibt’s nur hier.

England_2018.07_154

England_2018.07_161

England_2018.07_162

England_2018.07_216
Badevergnügen
England_2018.07_230
I always wanted a little princess; what I’ve got is a little pirate!

England_2018.07_232

England_2018.07_257
Hach.

England_2018.07_288

England_2018.07_585
Borough Market, London

England_2018.07_578

England_2018.07_644
Saltwood, Kent
England_2018.07_665
So muss ein Cheesecake aussehen (und schmecken!)
England_2018.07_666
Die Kinder schafften ihre Portion nicht…
England_2018.07_669
Cream Tea, my love
England_2018.07_677
Unser Traumhaus in Saltwood, Kent

England_2018.07_682

England_2018.07_766

England_2018.07_687
Doch noch eine kleine Lady…

England_2018.07_689

 

 

2 Gedanken zu „In the Bubble

  1. Ach, liebe Sonja, das ist ja wirklich spannend. Du hast das Wort für unsere Ferien gefunden: Bubble! Genauso habe ich es dieses Jahr erlebt, fast schon gruselig, das jetzt hier so zu lesen…Auch meine Kinder waren nicht willens, unsere kleine Familienblase zu verlassen und wenn Verabredungen, dann würden die Betreffenden einfach in die bubble hineingezogen. Jetzt sind sie alle wieder fröhlich davongestürzt und ich bin noch ein klitzekleinesbißchen traurig….ich wünsche euch noch wunderbare Blasentage und cupcakes mit Gesichtern Stelle ich mir ganz wundervoll vor. Liebe Grüße in die Schweiz

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s