Neuanfänge

Da läuft sie, meine kleine Tochter, unser Nesthäkchen. Sie darf einen Kurs für Kindergartenkinder besuchen und wird, von zwei ihrer älteren Brüder flankiert, zur Schule geführt. Ganz stolz, und ein klitzekleines bisschen unsicher, schreitet sie dahin. Weg sind sie, und die Mutter verdrückt wieder einmal ein kleines Tränchen der Rührung. Unerwarteterweise ist die kleine Lady nun nicht mehr nur zwei Nachmittage pro Woche weg, sondern deren drei. Ich hatte mich ja wirklich auf mehr freie Zeit gefreut – aber jetzt geht es mir doch etwas allzu flott voran. Mit Akkordeonstunden, Handball, Gitarrenunterricht, Judo, zweimal freiwilligem Schulsport und ebendiesem Kürslein sind wir nun doch ziemlich gut bestückt, was Freizeitangebote für unsere Kinder betrifft. Und dies sind nur die wöchentlichen, regelmässigen.

Vorbei die Zeit, in der wir unsere Kinder an der Hand in die Spielgruppe begleitet haben. Jetzt sind wir an verschiedenen Fronten dran, das Fahrradfahren in die Stadtmitte (wir wohnen am Stadtrand; dazwischen liegen etliche Höhenmeter Richtung Meer) oder mit einem Akkordeon auf den Schultern zu üben. Dumm nur, dass das Akkordeon fast gleich schwer ist wie das sehr schlanke Kind! Und so üben wir Verkehrsregeln, den Blick nach hinten, das Auf- und Absteigen mitsamt Musikinstrument und allgemein das Leben mit den vielen verschiedenen Baustellen und Tanzflächen.

Vorbei ist auch die glühende Hitze, die Tag und Nacht nicht wich; mit ihr ist sich plötzlich auch meine Müdigkeit am Verabschieden. Wie ich mich freue, dass der Herbst beginnt! Ich habe es sicher schon öfters erwähnt: Der Herbst ist meine allerliebste Jahreszeit. Meist fängt es schon im August an, dass ich finde, jetzt ist langsam genug. Ich sehne mich immer mehr nach den kühleren, unaufgeregten Tagen, in denen alles zur Ruhe kommt. Jetzt, wo alle Geburtstage in unserer Familie gefeiert; wo alle Schulanlässe, die Anfang Schuljahr auf uns eingeprasselt waren, durchlebt sind, beginnt für mich etwas Neues. Neujahr, sozusagen. Ich finde, der Silvester sollte auf nach den Sommerferien verlegt werden. Denn erst nach der grossen Auszeit, dem Ausnahmezustand, der Familienzeit, bin ich – zwar immer noch etwas müde – wieder fähig zu denken, zu planen, zu priorisieren und vorwärtsgerichtet zu sein. Wo will ich meine Prioriäten setzen? Wo hinein wieviel meiner Kraft und meiner Zeit investieren?

P1040291

Zwei unserer vier Kinder müssen sich in Schule und Kindergarten neu orientieren: Sie haben eine neue Klasse. Einige Kinder sind geblieben, der grosse Rest ist neu. Sie müssen sich als Teil einer neuen Gruppe wahrnehmen und sich neu positionieren. Das braucht viel Kraft, was vor allem zuhause sichtbar wird.

Alles kommt zur Ruhe und muss doch neu geplant, neu sortiert und überdacht werden. Für mich persönlich ist jetzt nicht der Zeitpunkt für grosse eigene Pläne, sondern für den grossen Plan, Mutter dieser vier Kinder zu sein. Da zu sein. Mit unserem Ältesten neue Finken für den (ebenfalls) neuen Kurs zu besorgen. Ein paar  T-Shirts durch Langarmiges zu ersetzen. Mal wieder das Büchergestell von Nr. 3 aus- und schön wieder einräumen. Überhaupt, die Schreibtische… was an denen alles gemacht wird! Ich schätze, alles ausser Hausaufgaben.

Und so warte ich, bis sich alles Neue verfestigt hat, seinen Fluss durchs Leben findet. Und ich empfinde, dass ich voll und ganz im Plan Gottes bin und dass alle Ideen und Gedanken, die in mir schlummern, zu ihrer Zeit Raum finden werden.

P1040297

P1040298

P1040296

P1040294

P1040299

2 Gedanken zu „Neuanfänge

  1. Liebe Sonja, das tröstet mich ja schon sehr, dass es dir ähnlich geht, wie mir. Und du hast recht, es schlummert nur und irgendwann wird es wieder mehr Raum haben- das eigene Ich, Ideen und Pläne. Und Silvester habe ich im Herzen auch schön gefeiert. Es muss sich erst alles verfestigen und seinen Weg finden, da ist viel Wahres dran und so sehr ich diese Berufung auch Liebe, ist es schon manchmal eine Demutsübung. Das Bild vom kleinen Mann im Bayernshirt rührt mich total, weil ich hier genauso ein Exemplar sitzen habe- nur in hellblond. Gute Tage dir und deinen Lieben und ein segensreiches neues Jahr

    Gefällt mir

    1. Hach ja, das Bayernshirt resp. der Bub dazu… zu hellblond passt es bestimmt auch perfekt. Danke für deine liebe Rückmeldung und überhaupt für deine wöchentlichen Ermutigungen! Herzlichst Sonja

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s