Die Cheerleaderin

Letzten Samstag war ich bei einem Fussball-Turnier unseres ältesten Sohnes. Während der Spiele waren Anfeuerungsrufe aus der Dose zu hören. Ich fand das zwar etwas befremdlich, aber als der Ton kurzzeitig unterbrach und es in der Halle ziemlich still war, musste ich zugeben, dass die Anfeuerungsrufe etwas sehr Motivierendes hatten. Sie bewirkten, dass man sich als Teil eines Ganzen empfand, eines bedeutungsvollen Ganzen.

Natürlich kamen auch von der Zuschauertribüne diverse Zurufe, über deren Sinn man durchaus diskutieren könnte:
„Hopp!“, jederzeit
„Füre!!“ („Nach vorne!!“), beim Angriff
„Nimen!!“ („Nimm ihn!!“), vermutlich den Ball, jederzeit
„Ine!! Ine!! Ine!!!!!“ („Ins Tor!! Ins Tor!! Ins Tor!!!!!“), beim Angriff

Ich habe dieses Cheerleading-Dings nie recht verstanden, aber an diesem Samstag sassen wir auf der Tribüne und schrien mit, und ich will glauben, dass es einen Unterschied macht für die Mannschaft, ob da Menschen sitzen, die sie anfeuern, oder nicht.

Ich war schon immer mit einer Cheerleaderin gesegnet.

Sie hat mir immer gesagt, direkt oder indirekt, dass ich wunderschön bin, so wie ich bin.

Sie hat mir immer zu verstehen gegeben, dass sie mich für durch und durch begabt hält, in praktisch allem, was ich tat. Wenn eine Note mal nicht so gut war, dann hatte ich mich einfach nicht genug angestrengt. Dass ich alles konnte, war für sie niemals eine wirkliche Frage.

Sie hat mich in allem, was ich tat, unterstützt. Wenn ich kochen wollte, verliess sie die Küche, um nicht mitansehen zu müssen, wie sich der blitzblank geputzte Raum in ein chaotisches, verspritztes Kabuff verwandelte. Was ich kochte, schmeckte ihr immer himmlisch.

Was ich heute koche und backe, ist immer das Feinste, das sie seit langem gegessen hat.

Unsere Kinder sind immer, wirklich immer, die „allerfeinsten Schätze“ und „wunderbarsten Kinder“, wenn sie sie bei sich gehabt hat.

Meine Entscheidungen in der Erziehung unterstützt sie immer. Sie bestärkt mich darin, auch wenn sie es vielleicht manchmal anders sieht. Meine Freiheit ist ihr wichtiger als ihre Meinung.

Sie liebt uns Kinder und alle ihre Grosskinder total bedingungslos und ist bereit, alles für sie zu geben. Und sie ist nicht nur bereit dazu; es scheint, als hätte sie einzig und allein dafür gespart, ihre Familie zu verwöhnen.

Wenn sie zum Essen eingeladen ist, bringt sie immer mindestens die Hälfte mit und hilft nachher beim Abwaschen.

Wenn ich sie frage, ob ein Rezept so funktioniert, wie ich es gedacht habe, antwortet sie immer: „Ja, wunderbar!“ Manchmal fügt sie noch an: „Noch ein kleines bisschen besser wird es, wenn du…!“

Wenn ich mich überfordert und unfähig fühle, meine Kinder zu erziehen, ruft sie mir in Erinnerung, was sie in ihnen angelegt sieht. Und in mir.

Sie ist immer da, immer ermutigend, immer unterstützend, immer voller Liebe und Hoffnung.

Als Teenager fand ich das uncool. Naiv kam es mir manchmal vor. Als zu einfach!

Heute, als erprobte, manchmal etwas müde Mutter, kann ich nur erahnen, wieviel Kraft, wieviel Loslassen, wieviel Vertrauen und Liebe eine solche Sicht erfordert.

Heute wünsche ich mir sehr, so wie sie zu werden: Die Schätze in meinen Kindern – und den Menschen um mich herum – zu entdecken, anstatt mich an den Schwächen aufzuhalten. Meine Kinder als das zu sehen, was sie sind: Ebenbilder Gottes, wunderbar gemacht, geliebt.

Indem sie hartnäckig an diesem Bild festhält, bewirkt sie, dass wir immer mehr zu den Menschen werden, als die wir gedacht sind. Wir werden am Du zum Ich, sagte Martin Buber. Wir können wohl dann zum Ich werden, wenn wir Menschen als Gegenüber haben, die über das Sichtbare hinaus Augen voller Liebe und Hoffnung haben. Die den Unsichtbaren sehen und sich weigern, sich vom Sichtbaren daran hindern zu lassen.

Danke, Mam!

Wie die Mutter, so die Tochter…
Mittagessen aus dem Backofen, wie praktisch…
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Chillen

9 Gedanken zu „Die Cheerleaderin

  1. Danke für diesen Input! 👍🤗
    Ich durfte dies tatsächlich mal am Spielfeldrand mit-erleben, wie gestärkt die Football spielenden Jungs von unserem sehr lautstarken Gebrüll waren. Technisch war ihnen die andere Mannschaft überlegen, aber wir schafften es, diese alleine mit unserem außergewöhnlichen Cheerleading so durcheinander zu bringen, dass unsere Jungs aufholten – und am Ende gewannen 😉 Den Sieg haben wir uns Eltern zugerechnet 😅

    Gefällt 1 Person

    1. Danke! Ja, die Cookies bleiben so, aber ich kühle sie so geformt (mit Eisportionierer) eine Nacht oder mehrere Stunden im Kühlschrank durch. Mache ich das nicht, zerlaufen sie. Herzliche Grüsse!

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