Leise rieselt der Schnee…

…und als hätte man unseren Kindern ein neues Motörchen eingebaut, eines, das sogar am Morgen funktioniert, sprangen und rannten sie lange vor der üblichen Zeit zur Schule, um auf dem Pausenplatz einen Schneemann zu bauen.

Eigentlich wollte ich bereit sein. Alle Winterschuhe herausgesucht haben, alte aussortiert, grössere besorgt. Winterjacken und Skihosen, Handschuhe, Mützen und Schals für jedes Kind parat haben für den grossen Moment, an dem sie gebraucht werden. Aber es war wie jedes Jahr: Die Kälte – und dieses Jahr der Schnee! – überraschten mich, und die hektische Suche nach den benötigten Utensilien verdrängte die morgendliche Ruhe. Punkt 10 vor 8, zwanzig Minuten früher als sonst, verliess das letzte Kind das wilde Durcheinander und verliess das Haus Richtung Schule.

Im Haus wurde es ruhig. Vielleicht so ruhig wie die letzten Wochen auf diesem Blog. Zeit, Kraft und alle Gedanken fliessen zur Zeit in die Familie, in die Arbeit, und in die letzten Kapitel meines Buches. Eine liebe Bekannte hat es so formuliert: „Eigentlich geht es mir gar nicht schlecht – habe aber in letzter Zeit überhaupt keinen Blick für Rechts und Links… kann‘s nicht besser definieren und schon gar nicht erklären…“ In dieser Beschreibung finde ich mich total wieder. Zweimal Quarantäne, 15. Hochzeitstag, Arztbesuche, Schulwechsel und die kommende Adventszeit – dies alles galt es in den letzten Wochen zu verarbeiten, zu durchleiden, zu organisieren und zu feiern. Ich weiss nicht, ob jetzt Ruhe einkehrt. Aber der Schnee hüllt gerade alle Alltagsgeräusche in seine sanfte Ruhe.

Dieses Jahr hat für uns alle sehr vieles verhindert und verändert. So vieles wurde abgesagt. Und trotzdem war alles sehr intensiv. Gestern merkte ich, wie müde ich bin, wenn ich kurz Zeit habe, Müdigkeit zuzulassen. Dieses Jahr hat von uns allen – von der ganzen Welt – enorm viel abverlangt. Und obwohl ich neben dem Schweren und Tragischen doch auch viele Möglichkeiten entdecke, darf wohl auch ausgesprochen werden: Die letzten Monate haben viel Kraft beansprucht. Daran können auch die Gilmore Girls (ich bin zuverlässig 15 bis 20 Jahre mit Trends hintendrein) nichts ändern, obwohl sie mir zur Zeit äusserst gemütliche Abende bescheren.

Dieses Jahr ist alles anders. Im Moment überlege ich mir, wie sich dieser Umstand in der Adventszeit „vergemütlichen“ lässt. Was darf wegfallen? Was soll sein? Ich hoffe, ich habe den Mut, Dinge wegzulassen.

Und während ich überlege, fallen mir ein Dutzend Dinge ein, die sind – und für die ich sehr dankbar bin.

  • Für den heutigen Schnee.
  • Dafür, dass alle Kinder schneetaugliche Schuhe gefunden haben.
  • Für eine liebe Freundin, die uns mir einen wunderschönen Adventskranz gemacht hat.
  • Für die Göttis und Gottis, die unseren Kindern liebevollste Adventskalender gemacht haben.
  • Für unsere weihnachtliche Beleuchtung, die wir das ganze Jahr über haben, aber die jetzt so viel Geborgenheit ausstrahlt.
  • Für die selbst gezogenen Kerzen unserer Kinder vom letzten Jahr, die jetzt ihren grossen Auftritt haben.
  • Für 15 Jahre Ehe ❤ und das Feiern.
  • Für ein Kind, das sich nachts an mich kuschelt.
  • Für unser Café, immer und besonders jetzt ein Ort der Geborgenheit und Gastfreundschaft für viele.
  • Für Freundinnen, die nachfragen, wie es mir geht.

Es gibt so viele kleine und grosse Zeichen der Liebe in meinem Leben.

Das allergrösste Zeichen der Liebe aber ist Weihnachten selbst. Gott wurde Mensch, und er verliess sein himmlisches Königreich, allen Glanz und Glitter und die Herrlichkeit, um den Menschen auf Erden dieses Königreich nahezubringen. Die Spuren dieser Liebe können wir überall erkennen, aber unsere Augen müssen dafür geöffnet sein. Meine eigenen Augen waren vor lauter Geschäftigkeit in der letzten Zeit ziemlich geschlossen. Der Tunnelblick hilft definitiv nicht!

Es braucht manchmal nur einen klitzekleinen Anstupser, um uns daran zu erinnern, dass unser Anteil allein das Öffnen unserer Augen ist. Der Entschluss, das Schöne und das Liebevolle zu sehen, das neben dem Schwierigen und Anstrengenden manchmal fast unterzugehen droht.

Aber so klein und zart beides zu sein scheint: Die Liebe Gottes hat Sprengkraft. Sie ist mächtig genug, um Angst zu vertreiben, um zu heilen und wiederherzustellen. Sie schenkt Ermutigung und Trost. Sie kommt in Form von Menschen, von Schönheit und von Geborgenheit. Sie zeigt sich in der Kerze meines Adventskranzes. Im ersten Törchen des Adventskalenders. Im leisen Rieseln des Schnees.

Es braucht keinen Adventskranz, um diese Liebe zu anderen Menschen weiterfliessen zu lassen. Es reicht ein liebevoller Blick, ein gutes Wort, ein Lied, eine vorgelesene Geschichte, eine heisse Schokolade. „Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist“ (Ps 34,9). Ich wünsche dir und mir, dass wir in dieser Adventszeit diese Freundlichkeit Gottes sehen und schmecken dürfen.

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit;
Es kommt der Herr der Herrlichkeit,
Ein König aller Königreich,
Ein Heiland aller Welt zugleich,
Der Heil und Leben mit sich bringt;
Derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
Mein Schöpfer reich von Rat.

Er ist gerecht, ein Helfer wert;
Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,
Sein Königskron ist Heiligkeit,
Sein Zepter ist Barmherzigkeit;
All unsre Not zum End er bringt,
Derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
Mein Heiland groß von Tat.

O wohl dem Land, o wohl der Stadt,
So diesen König bei sich hat.
Wohl allen Herzen insgemein,
Da dieser König ziehet ein.
Er ist die rechte Freudensonn,
Bringt mit sich lauter Freud und Wonn.
Gelobet sei mein Gott,
Mein Tröster früh und spat.

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit,
Eu’r Herz zum Tempel zubereit‘.
Die Zweiglein der Gottseligkeit
Steckt auf mit Andacht, Lust und Freud;
So kommt der König auch zu euch,
Ja, Heil und Leben mit zugleich.
Gelobet sei mein Gott,
Voll Rat, voll Tat, voll Gnad.

Komm, o mein Heiland Jesu Christ,
Meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein;
Dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heilger Geist uns führ und leit
Den Weg zur ewgen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr,
Sei ewig Preis und Ehr.

6 Gedanken zu „Leise rieselt der Schnee…

  1. Und wieder mal sitze ich hier und sauge deine Worte auf, den Tränen nahe. Ja, müde bin ich auch und gestern sammelte sich vieles an, komische Worte auf der Arbeit, dunkel wars auf dem Heimweg und dann fehlte eben nicht viel und das mein sorgsam austariertes Gleichgewicht schwankte bedenklich. Dieser Herbst erschien mir viel schwerer als sonst und ich muss mich richtig aufraffen, Advent zu spüren und zu dekorieren. Vielleicht kommt durchs äussere Tun dann die Freude ins Innere. Herzlichen Dank für deinen Blog und sei gesegnet!

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    1. Vielen herzlichen Dank für deine Worte. „Sorgsam austariertes Gleichgewicht“ – wie treffend formuliert! Ich kenne dieses Schwanken bestens. Von Herzen wünsche ich dir und auch mir, dass wir den liebevollen Lichtschimmer Gottes immer wieder sehen. Viel Kraft und herzliche Grüsse!

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  2. Ist zwar schon wieder 2 Wochen her, der Schnee, aber wir haben uns auch total gefreut!
    Gerade in diesen Zeiten tut es so gut, ermutigende Worte zu lesen! Danke dafür!
    Und zum schmunzeln brachte mich (nach emotionalen und tränenreichen Tagen) dein Kommentar zu den „Gilmore Girls“ 😉 (wir schauen die auch ab und an :-))
    Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

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