Was ist dein Lied?

Unser Jahr hat dramatisch angefangen. Zweimal waren wir schon auf dem Notfall des Kinderspitals Zürich. Einmal für mehr als 48 Stunden mit unbestimmbaren Bauchschmerzen (ich weiss jetzt ALLES über Blinddarm-Entzündung und vor allem darüber, wie schwierig es ist, ihn mit Sicherheit zu diagnostizieren, high five!) und einmal, weil aus einem sehr spassigen Spass-Kämpfchen blutiger Ernst wurde. Während ich mit einem meiner Kinder durch die Stadt raste, hatte ich so richtig Angst: Angst vor Verlust der Sehkraft eines Auges, und fast genauso grosse Angst davor, wie das zweite am spassigen Spass-Kämpfchen beteiligte Kind sich fühlen würde, wenn die Schäden irreparabel waren. Ich darf überaus dankbar berichten, dass nichts Schlimmes passiert ist. Ausser, dass vielleicht man allgemein mehr Respekt hat vor spassigen Kämpfen, und dass man dankbar ist für die Gnade, dass alles glimpflich verlief – Gnade, unverdiente Grosszügigkeit.

Den Übergang ins neue Jahr dagegen verbrachten wir äusserst friedlich. Unsere lieben Freunde, mit denen wir sonst immer Silvester feiern, konnten wir nicht sehen, weil zwölf Personen. Also waren wir allein. Verbrachten einen mehrheitlich friedlichen Abend mit Scrabble, mit Musik und mit ein bisschen Feuerwerk. Was rund um uns abgefeuert wurde, haben wir noch nie erlebt – es war, als wollten die Menschen um uns herum allen Kummer, alle Hilflosigkeit und allen Schmerz des scheidenden Jahres leuchtend und strahlend und farbenfroh in die Luft jagen. Wir standen mit grossen Augen da und staunten.

Sonntagsspaziergang

Christina Schöffler lädt auf ihrem lesenswerten Blog „Den Spatz in der Hand“ ein, sich ein Wort für das kommende Jahr auszusuchen. Ein Wort, das ausdrückt, auf welche Herzenshaltung wir im Lauf des kommenden Jahres immer wieder zurückkommen wollen. Dabei erzählt sie die berührende Geschichte einer unheilbar kranken Frau, die von einem Wort durch schwere Zeiten hindurchgetragen wurde.

Worte haben Kraft. Worte von Gott, um genau zu sein. Mit ihnen wurde die Welt erschaffen, wurden du und ich ins Leben gerufen. Worte können uns tragen, sie können Räume öffnen, sie sind lebendig. Nicht von ungefähr sagt Jesus von sich, dass er selbst das Wort ist.

Beim hin und her überlegen, welches Wort ich wählen würde für das kommende Jahr, hörte ich innerlich wieder meinen ohrwurmigen Begleiter, „Oceans“ von Hillsong United. Das Lied spricht vom Wunsch nach einem tiefen Vertrauen in Gott. Es ist der Wunsch nach diesem grenzenlosen Vertrauen, bei dem menschliche Überlegungen und Fähigkeiten keine Lösungen mehr bringen können. Es ist ein Vertrauen, das hält, auch wenn die Wellen über mir zusammenschlagen. Wo ich nicht mehr selber stehen kann, sondern wo ich gleichsam weggespült werde und mein einziger, wirklich einziger Halt Gott ist. Manchmal frage ich mich, ob mir wirklich bewusst ist, was ich mitsinge. Ob ich weiss, was das heisst. Und ob ich das wirklich will. Auf dem Notfall, als ich Angst hatte, kam mir das in den Sinn.

Ich hatte Angst. Und ich wusste nicht, ob es gut kommt. Vertrauen auf Gott heisst nicht, darauf zu vertrauen, dass „schon alles in Ordnung kommt“. Es ist eine grössere, weitere, tiefere Art von Vertrauen. Es ist das Vertrauen in diesen Gott, der trägt. In allem und trotz allem. Der alles sieht und im Blick hat. Dich und mich in seiner liebenden Hand. Was auch passiert.

Zur Zeit lebe ich mit diesem Lied. Lange Zeit war es „Goodness of God“ (Danke, Christina!); im vergangenen Jahr vor allem der „Waymaker“, nun ist es eben „Oceans“:

You call me out upon the waters
The great unknown where feet may fail
And there I find You in the mystery
In oceans deep
My faith will stand

And I will call upon Your name
And keep my eyes above the waves
When oceans rise
My soul will rest in Your embrace
For I am Yours and You are mine

Your grace abounds in deepest waters
Your sovereign hand
Will be my guide
Where feet may fail and fear surrounds me
You’ve never failed and You won’t start now

So I will call upon Your name
And keep my eyes above the waves
When oceans rise
My soul will rest in Your embrace
For I am Yours and You are mine

Spirit lead me where my trust is without borders
Let me walk upon the waters
Wherever You would call me
Take me deeper than my feet could ever wander
And my faith will be made stronger
In the presence of my Savior

Spirit lead me where my trust is without borders
Let me walk upon the waters
Wherever You would call me
Take me deeper than my feet could ever wander
And my faith will be made stronger
In the presence of my Savior

Spirit lead me…

zu Deutsch:
Du rufst mich raus auf’s weite Wasser
Wo Füße nicht mehr sicher stehn
Dann finde ich dich im Verborg’nen
Denn Glaube trägt im tiefen Meer


Und deinen Namen ruf ich an
Ich schau so weit ich sehen kann
Und kommt die Flut
Hältst du mich fest in deinem Arm
Denn ich bin dein
Und du bist mein


Die Gnade strömt wie tiefes Wasser
Und deine Hand zeigt mir den Weg
Wenn Angst mich lähmt und ich versage
Lässt du nie los und gibst niemals auf


Und deinen Namen ruf ich an
Ich schau so weit ich sehen kann
Und kommt die Flut
Hältst du mich fest in deinem Arm
Denn ich bin dein
Und du bist mein


Heiliger Geist, führ mich dort hin wo ich unbegrenzt vertraue
Lass mich auf dem Wasser laufen
Wo immer du mich hinführst
Führ mich tiefer als ich selber jemals geh’n kann
Das ich fest im Glauben stehe
In der Gegenwart des Retters


Heiliger Geist, führ mich dort hin wo ich unbegrenzt vertraue
Lass mich auf dem Wasser laufen
Wo immer du mich hinführst
Führ mich tiefer als ich selber jemals geh’n kann
Das ich fest im Glauben stehe
In der Gegenwart des Retters

Heiliger Geist, führ mich dort hin…

Dieses Lied zu singen kommt für mich dem Ausdruck der Sehnsucht gleich, dieses Vertrauen in Gott zu haben. Ich kann nicht in jeder Situation sagen: „Ich vertraue dir!“ Aber was ich hervorpressen kann, ist: „Ich will dir vertrauen!“ Und vielleicht noch: „Bitte hilf mir!“ Oft kann ich nicht mehr als das, wenn es hart auf hart kommt. Und im vergangenen Jahr kam es hart auf hart, nicht nur wegen der Pandemie. Das neue Jahr birgt auch sehr viel Ungewissheit.

Ich bin dankbar für einen Gott, bei dem nicht das Tun und das Machen im Vordergrund stehen, sondern die Herzenshaltung. Die Sehnsucht. Die nimmt er und bewirkt Grosses. In uns, und immer wieder auch durch uns.

Eine liebe Freundin schickte mir folgende Geschichte – ich fand sie so ermutigend, dass ich sie mit dir teile.

Ein junger Jude sagte zum Rabbi: „Ich möchte zu dir kommen und dein Schüler werden.“ Da antwortete der Rabbi: „Gut, das kannst du, ich habe aber eine Bedingung. Du musst mir eine Frage beantworten: Liebst du Gott?“
Da wurde der Schüler traurig und nachdenklich. Dann sagte er: „Eigentlich lieben, das kann ich nicht behaupten.“ Der Rabbi sagte freundlich: „Gut, wenn du Gott nicht liebst, hast du dann etwa Sehnsucht ihn zu lieben?“
Der Schüler überlegte eine Weile und erklärte dann: „Manchmal spüre ich diese Sehnsucht sehr deutlich, aber meistens habe ich soviel zu tun, dass die Sehnsucht im Alltag untergeht.“ Da zögerte der Rabbi und sagte dann: „Wenn du die Sehnsucht, Gott zu lieben, nicht so deutlich verspürst, sehnst du dich dann vielleicht danach, diese Sehnsucht zu haben, Gott zu lieben?“
Da hellte sich das Gesicht des Schülers auf und er sagte: „Genau das habe ich. Ich sehne mich danach, diese Sehnsucht zu haben, Gott zu lieben.“ Der Rabbi entgegnete: „Das genügt. Du bist auf dem Weg.“
(Autor_in unbekannt)

Was ist dein Lied? Woran hältst du dich gerade fest? Wovon und von wem wirst du getragen? Ich wünsche dir Worte, die dich tragen, Lieder, die dich begleiten, und Menschen, die an deiner Seite sind. Ich wünsche dir von Herzen ein gutes, gesegnetes, frohes neues Jahr!

Unser Café am frühen Morgen
Stadt-Schnee
Granola – Flocken und alle Arten von restlichen Nüssen, Trockenfrüchten, Samen und was man sonst nicht mehr braucht in einer Pfanne mit etwas Olivenöl und Honig rösten – fertig.
Schlitteln auf dem Guldenen

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