Buch, Schreiben, Leerraum, Familie und Empfangen lernen

Vor Kurzem habe ich auf „Senden“ geklickt – mit dem fertigen Manuskript im Anhang!!! Und seither heisst es für mich: „Hände weg vom Gebäck Manuskript!“, bis ich im März nochmals eine Überarbeitungsrunde starte. In der Zwischenzeit beschäftige ich mich mit wunderschönen, ungekannten Dingen wie Titelbild, Autorenfoto, Autorenvita und Stimmen zum Buch. Eine schöne, neue Welt.

Es fühlt sich gut an!

Und natürlich auch seltsam: Habe ich doch während zweier Jahre an diesem Manuskript geschrieben, ganz gegen mein sonstiges zackiges und tatkräftiges Naturell mit einer ruhigen Stetigkeit, Vormittag für Vormittag. Manchmal reichte die Energie nur dafür, Geschriebenes umzuschreiben oder umzustrukturieren.

Aus und vorbei. Wo vorher immer klar war, was zu tun war, eröffnet sich jetzt Raum. Ein Raum, der gestaltet und gelebt werden will – und der doch nicht wahllos vollgestopft werden soll. Ein bisschen fühlt sich das Jetzt an wie zwischen Stuhl und Bank.

Ein Gefühl ist vorherrschend: Dankbarkeit. Ich habe nie davon geträumt, ein Buch zu veröffentlichen. Aber ich habe immer gerne geschrieben. Schon als Kind habe ich mich selber wie von aussen beobachtet und in Gedanken formuliert, was ich erlebte, machte und empfand. Ein bisschen wie im Film „Stranger Than Fiction“. Schreiben war schon immer „meins“, und mit dem Blog habe ich einen Herzensort gefunden, an dem ich in Worte zu fassen versuche, was sich manchmal erst wie ein wirrer Knäuel anfühlt, sich dann aber Satz für Satz, Wort für Wort entflechtet.

Das mit dem Buch hat sich quasi ergeben. Ich kann mich noch an den Moment erinnern, an dem ich mit sehr starkem Herzklopfen meine Buch-Idee gegenüber einer Lektorin formuliert habe (zusammen mit einer lieben Weggefährtin – die jetzt auch ein Buch schreibt!!). An noch mehr Herzklopfen, als ich meine ersten Seiten einschickte, und dann, viele Monate später, der Herzsprung, als es einen Buchvertrag gab. Ich wollte immer schreiben, auch wenn es für die Schublade war. Dass jetzt ein Buch daraus entsteht, ist ein bisschen wie ein Traum.

Ich habe schon viele Ideen, was ich als nächstes tun könnte. Ich könnte ausmisten. Das ganze Haus, von oben nach unten. Ich könnte die Bücher lesen, die sich neben meinem Bett stapeln, und sie für einen Kurs zusammenfassen. Es gibt immer etwas wegzuräumen, zu sortieren, zu putzen. Darin könnte ich mich verlieren, hätte ich die Energie. Grad in einem grossen Haus, mit vielen Bewohnern, Wünschen und Notwendigkeiten.

Aber zuerst möchte ich den entstandenen Raum leer lassen, lüften, die Sonne hineinscheinen lassen, entstauben und so wirklich frei machen für das, was kommen soll.

Es ist die Zeit, die Leere und die Stille auszuhalten. Zu spüren, dass das Buchschreiben auch einiges an Energie abgefordert hat. Den Lärm in meinem Inneren auszuhalten und zu erdulden, dass ich auf mich selbst geworfen bin. Mir selber zu begegnen und damit dem lebendigen Gott, der in mir wohnt.

Ich glaube, jetzt geht es auch ums Empfangen. Auch wenn mich das herausfordert: Viel lieber gebe ich, schreibe ich, tue ich. Trotzdem werde ich mich nun fröhlich im Empfangen üben.

Heute beim Spaziergang habe ich gemerkt, dass Empfangen sowieso das einzige ist, was ich selber tun kann. Die Pandemie spürt man unseren Kindern an. Sie sind die Ungewissheit und die Unbeweglichkeit müde, und wie! Die Müdigkeit und das Unbehagen bricht sich immer wieder Bahn. Und so geschieht es, dass die Mutter, wenn sie nicht mehr beschwichten, antworten, besänftigen und zureden mag, aus dem Haus flüchtet. In den Wald. Heute hatte ich den Impuls, mein Handy mitzunehmen. Nach zehn Minuten bekam ich einen Anruf: ob denn der eine Sohn mit ein paar anderen Fussball spiele wolle? Er war überglücklich, tobte sich den ganzen Nachmittag aus und kam ruhig und glücklich zurück. Meine besten Ideen hätten dies nicht toppen können – es war einfach ein Geschenk.

Spaziergänge. Winzige Knospen. Unerwartete Anrufe von anderen Müttern mit einem ersehnten Angebot. Ein fluffiger Sonntagszopf. Hamburger zum Nachtessen. Ein geputzter Boden. Dankbarkeit. Damit ist es nicht immer getan. Manchmal braucht es mehr. Aber manchmal reicht es einfach auch aus.

Erinnerung an den „Flock-Down“ in Zürich

18 Gedanken zu „Buch, Schreiben, Leerraum, Familie und Empfangen lernen

  1. …oh ja…auf einmal zeit haben….ich hab dann zig gedanken im kopf was ich alles mahcne könnte…..allerdings einfach nur die zeit geniessen tut dann auch so gut….
    herzlichst annette
    p.s. bin auf dein buch gespannt

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  2. Oh, wie ich mich auf dein Buch freue!!!! Und ich kenne dieses plötzliche: „Was soll ich denn jetzt tun?“ so gut. Obwohl es ja so viel zu tun gibt. ..Aber die Entscheidung erst einmal den Raum frei lassen und bisschen aufatmen (und in den Wald gehen) ist genau richtig!
    ich wünsche Dir eine Segenszeit, ein unerwartetes Beschenkwerden mit Gottes spürbarer Freundlichkeit! Schick dir eine dicke Umarmung aus dem kalten Süden Deutschlands (heute Nacht: -20Grad!),
    Christina

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    1. Liebe Christina, danke!! In den Wald hab ich’s noch nicht mal geschafft… aber nächste Woche haben wir Skiferien, das wohnen wir mitten in den Bergen 🙂 Danke für deine lieben Wünsche ❤ Hier ist es auch klirrend kalt, aber -20 Grad? So krass! Alles Liebe dir!!

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  3. Das ist wirklich verrückt. Auf einmal sitze ich in einem Zirkel von lauter Frauen, die Bücher schreiben! Du, Christina, Veronika, …
    jajajaja, natürlich freut mich das für dich. Aber ich bin auch ein bisschen neidisch.
    Wie bist du denn an den Verlag geraten?

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    1. Liebe Julia, ich konnte mich vor lauter Anfragen kaum retten… Im Ernst: Ich habe Lektorinnen am Bloggertreffen „Netzleuchten“ 2019 kennengelernt und bei dieser Gelegenheit gefragt, ob meine Idee überhaupt eine Chance hätte. So kam ich in Kontakt. Herzliche Grüsse!

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      1. Cool. Ob es wohl eines Tages wieder ein solches Treffen gibt …. und ich dann auch zu den Auserwählten gehöre? Das wär toll.
        Ich hab nämlich schon einige Veröffentlichungen, mein erstes „Baby“ voller Idealismus und schrecklich vieler Fehler und dann Beiträge in einigen Anthologien, aber seit einigen Jahren totale Funkstille, weil meine damaligen Kontaktpersonen den Verlag verlassen haben und der Markt für Anthologien wahrscheinlich auch gründlich überschwemmt ist…

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  4. Liebe Sonja,
    schön, ein Buch schreiben und fertig haben…und Raum lassen 🙂
    Ich fürchte, ich habe nicht fleißig genug deinen Blog gelesen…denn ich weiß gar nicht, wovon dein Buch handelt??? Bin jetzt ganz neugierig…???
    Ganz liebe Grüße

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    1. Liebe Anna, nein nein, ich habe in der letzten Zeit kaum gebloggt, und wovon mein Buch handelt, habe ich bisher nie erwähnt. Du hast also nichts verpasst. (Es handelt davon, die Stimme Gottes zu hören, und was sich mit dieser Stimme und Gegenwart mitten im Leben und Alltag alles verändern kann. So in etwa!) Alles Liebe dir! Dein Buch möchte ich unbedingt auch lesen, ganz herzliche Gratulation dazu!! ❤

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