ewig

Der letzte Tag im Jahr. Ein Jahr, das es in sich hatte. Schwierig in Worte zu fassen. Jauchzen, Betrübtheit, Hoffnung, Enttäuschung, Überraschung, Freude, Angst. Es ist eine Zeit, in der wir alle herausgefordert sind, unser Herz aktiv zu bewahren, unsere Gedanken behüten zu lassen, uns die Hoffnung nicht rauben zu lassen. Passiv reicht nicht mehr aus. Die Ereignisse des Jahres erfordern eine Strategie. Ich habe keine. Ich bin darauf angewiesen, dass Gott immer wieder einen Weg findet zu meinem Herzen!

*

Ich bin nicht so der „Wort-des-Jahres-Typ“. Und ich weiss auch nicht, ob das Wort für das ganze nächste Jahr gedacht ist. Aber es hat mich buchstäblich angefallen – und blieb. Es hat sich mir aufgedrängt, sich in mein Herz eingenistet, kaum habe ich es gelesen.

Ewig.

Zu diesem Wort fällt mir zuerst ein: „Wann ist sie endlich durch, diese EWIGE Pandemie?“ – Oder: „Wann hört ihr mit dieser EWIGEN Streiterei auf?“

Aber wenn ich das Wort auf mich wirken lasse, dann kommt Ruhe in mein Herz.

Ewig.

Kein Anfang.

Kein Ende.

Unvergänglich.

Die Zeiten überdauernd.

*

„Ewig“ fragt:

Was zählt?

Was hat Ewigkeitswert?

Was bleibt?

*

„Ewig“ lenkt meinen Blick weg vom Streiten, wer wann welchen Bildschirm benutzen darf (ja, das Thema ist in den besinnlichen Weihnachtsferien noch präsenter als sonst), zu dem ewigen Vater, der mir aufmunternd zulächelt, wohl, weil er es kennt.

„Ewig“ lässt mich die Enttäuschung über den Dauerregen und das Dauergrau vergessen und sieht stattdessen die Geborgenheit, das Dach über dem Kopf; das Privileg, ein Daheim zu haben.

Heute, nach Langem wieder einmal Sonne pur, gibt es mir einen kleinen Vorgeschmack auf die Herrlichkeit Gottes.

„Ewig“ hinterfragt liebevoll lächelnd meine Ansprüche an mich selber – viele Weihnachtskarten blieben ungeschrieben, viele Geschenke wurden in letzter Sekunde verpackt, viele Fenster blieben ungeputzt und Haare ungekämmt.

„Ewig“ ist mein Trost, wenn ich über mich selber verzweifle, weil ich zum wiederholten Mal versagt habe in dem einen Punkt, an dem ich doch weiterkommen wollte. Schon wieder rumgeschrien! Schon wieder ungerecht gewesen. Doch „ewig“ sieht auch Reue und Versöhnung.

Es sieht die Liebe in den gestempelten Buchstaben für einen Gutschein, den ich zu Weihnachten erhalte. Die kreativen Gaben, reichlich vorhanden in dem einen Kind. Die Hilfsbereitschaft in einem anderen. Die Feinfühligkeit in einem dritten.

„Ewig“ lacht mit, wenn ein Kind beim Ligretto einen Doppelzug machen konnte und tröstet das andere, das seine Karte nicht ablegen konnte.

„Ewig“ sieht die Liebe, die alles überdauert, die in ihrer noch so klitzekleinen, unvollkommenen Form an vielen Ecken und Enden auftritt. „Ewig“ stellt keine Ansprüche und setzt nicht unter Druck. Es hat keinen erhobenen Zeigefinger, sondern lädt dazu ein, das Ewige hinter dem Profanen zu suchen und hervorblitzen zu sehen. Das, was ewig hält. Die Liebe. Die Geborgenheit, das Zuhause. Die Freude, die manchmal so kurz zu sein scheint, aber die Herrlichkeit Gottes in uns wachsen lässt.

Und trotzdem ist „ewig“ weder kitschig noch süsslich, auch wenn es liebevoll und grosszügig seinen Glitzer und Glanz auf Dinge legt, die wir nicht mit dem Ewigen in Verbindung gebracht hätten. Es weitet unseren Blick und unser Herz.

Gerade heute brauche ich diese Erinnerung, dass die Ewigkeit real ist. Dass der Gott aller Zeiten, seine Liebe und Herrlichkeit alles überdauern, überstehen, ertragen – und gar erneuern, heilen, erstrahlen lassen.

Denn unsre Bedrängnis, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig. 2Kor 4,17-18

Nun ja, „zeitlich“ mögen wir nicht fühlen und „leicht“ schon gar nicht. Darum fühlt sich dieses Sehen des Ewigen, des Unsichtbaren oft so schwierig an.

Und darum brauchen wir diese geöffneten Herzensaugen:

Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist und wie überschwänglich groß seine Kraft an uns ist, die wir glauben durch die Wirkung seiner mächtigen Stärke. Eph 1,18-19

Von Herzen wünsche ich dir einen gesegneten, guten Start ins neue Jahr. Deine Herzensaugen seien erleuchtet, immer wieder, täglich, ob kurz oder lang. Sei gesegnet mit Funken der Ewigkeit und mit einem Blick, der immer wieder auf das Überdauernde gerichtet werden darf.

Himmel über Schwamendingen
Schnee! Juhe

4 Gedanken zu „ewig

  1. Danke, Sonja!
    Ich sitze am Silvester Tag hier im Schlafanzug rum und versuche meine Gedanken und Gefühle zu ordnen…
    ‚Ewig‘ – das ist die Perspektive mit der ich auf das alte und das neue Jahr schauen will! Eingebettet in die Ewigkeit. Und in die Gegenwart Gottes, die Herrlichkeit verleiht. Ob im Schlafanzug oder Partykleid… 😆

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  2. Das hast du so schön geschrieben. 🙂 Danke für diesen „Anschubser“, das Licht der Ewigkeit im Alltag willkommen zu heissen…
    Danke für deinen Blog! Sei auch du gesegnet im neuen Jahr!
    Sula

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