Wenn viele eine Reise tun…

…dann wird die Menge dessen, was man zu erzählen hat, schier unermesslich. So wird auch die Bilderflut heute. Vielleicht machst du dir vorsichtshalber eine Tasse Tee oder einen Kaffee.

Wir sind gereist. So richtig. Und ich, sonst überaus unängstlich, hatte ziemlichen Respekt vor diesem Unternehmen: sechs Personen, zwölf Gepäckstücke, fünfeinhalb Wochen, ein Auto, vierzehn Unterkünfte. Und das auf einem anderen Kontinent und in einer anderen Zeitzone. Einmal von links nach rechts, von der Westküste an die Ostküste. Das sind ca. 5000km. Zum Glück sind unsere Kinder autogewohnt. (Zum Vergleich: Einmal Schweiz-Schottland hin und zurück waren auch 4000km…)

Aber jetzt, ab in die USA. Ich nehme dich mit in ein paar Eindrücke unserer Reise!

Was hat mich überrascht?

  • Die sprichwörtliche Herzlichkeit und Entspanntheit der Amerikanerinnen und Amerikaner. Wir wurden so oft wie noch nie gefragt, wo wir herkommen, und wir hörten viele Bezüge der Amerikaner:innen zur Schweiz und zu Europa.
  • Die Schweiz wurde NICHT mit Schweden verwechselt. Die „Amis“ kennen erstaunlich viele Plätze und Städte in unserem Land.
  • Der Fleisch- und Zuckerkonsum. In den USA werden pro Kopf wohl, so scheint es, Tonnen von Fleisch verzehrt. Sogar einfach Salate gibt’s praktisch nicht ohne Hähnchenfleisch. Vegetarier:innen und Menschen, die auf Zucker verzichten möchten oder müssen, sind in den USA arm dran. Ausserhalb der Grossstädte ist es aufwändig, kompliziert und teuer, sich vegetarisch und/oder gesund – sprich vollwertig – zu ernähren. Wenn man durchs Landesinnere fährt, bieten sich der Reiseseele, die nicht stundenlang suchen will: Burger, Pizza, Burger, Mexikanisch, Burger. Die Burger indes sind nicht in der Qualität von hiesigen MacDonald’s, ausser man verirrt sich in einen Wendy’s, nein, sie sind tatsächlich erlesener. Aber auch der bescheidenste Magen sehnt sich irgendwann nach kernigem Vollkornbrot oder einfachem Reis mit Gemüse.
  • Die Weite. Die endlose, eindrückliche, erstaunliche, demütig machende unendliche Weite des Landes. Dazu passen sogar die riesigen, RIESIGEN Supermärkte, die breiten Autos, die grosszügigen Häuser… Hier ist alles gross, riesig, XXL, extravagant, grosszügig und weit.
  • Wie teuer das Land ist. Die Schweiz ist teuer? Wer immer das sagt, war schon länger nicht mehr in den Staaten! Uns wurde gesagt, seit Corona seien die Preise massiv gestiegen. Zu jedem angeschriebenen Preis kommen immer 5% „tax“ dazu (das wird konsequent nicht eingerechnet) plus mindestens 18% tip in den Cafés und Restaurants. Soviel wie in diesen Sommerferien haben wir zu sechst wohl noch nie nur fürs Essen ausgegeben. Wir haben uns mehr als einmal gefragt, wie das die hiesige Bevölkerung wohl macht.
  • Wie gut unsere Kinder die ständigen Wechsel verkraftet und mitgemacht haben. Es hat sich gelohnt, mit dieser grossen Reise zu warten. Mahela, mit neun Jahren die Kleinste mit dabei, wollte immer genau wissen, wohin es geht und wie lange die Reise dauert und wie viele Nächte wir in der nächsten Unterkunft sein würden. Und wieviele Zimmer (manchmal nur eines) und wie viele Betten es haben würde. Ausser in San Francisco (Start der Reise) und in New York (Abschluss) waren es immer nur 1-3 Nächte, die wir am gleichen Ort verbrachten. Wir hangelten uns von Motels zu AirBnB’s, in denen wir selber kochen konnten (Reis mit Gemüse! Pasta mit Tomatensauce!). Die ganze Reise über machte es den Kindern nichts aus, so viel unterwegs zu sein. Köfferchen auf, Köfferchen zu – das nächste Abenteuer erwartete uns.
  • Wie gut wir fast immer schlafen konnten, auch wenn sich alle ein einziges Zimmer teilten.
  • Und wie gross das Chaos werden konnte in einem einzigen Zimmer, auch wenn man nur eine einzige Nacht darin schlief!

Was hat uns bewegt?

  • Neben dem Fleischkonsum vor allem der Umgang mit nicht erneuerbaren Ressourcen. Kein Haus wird nicht auf mind. 20 Grad heruntergekühlt. Man kann verstehen wieso: Im Landesinnern ist es über 40 Grad heiss. Steigst du aus dem Auto, wähnst du dich in einem Backofen, der auf Volltouren läuft. Du flüchtest dich in den Supermarkt, und wenn du wieder in deinem Auto sitzt, stellst du als erstes die Klimaanlage an. In Grossstädten, so wurde uns gesagt und das macht auch Sinn, werden viele Cafés, Restaurants und öffentliche Gebäude absichtlich so kühl gehalten, dass auch business people in Anzügen die Temperaturen ertragen können. Warum aber Supermärkte im Landesinnern so kalt sein müssen, dass das Wolljäckchen benötigt wird, konnte ich mir nicht erklären. Auch der Umstand, dass gefühlt jeder gekaufte Artikel mit 1-2 Plastiksäcken (weil schwer) verpackt wird, lässt uns den Kopf schütteln. So ein grosses Land – und so viele Abfallsäcke, so viel Verpackung! Ein Salat zum Mittagessen: in Plastikschale verpackt, mit Plastikfolie abgedeckt. Ein Plastiksäckchen für den Käse, eines für den Crunch, einen für Kerne, einen für die Sauce. Zum Schluss fühlst du dich mit deinem gesunden Salätchen wie ein Umwelt-Schwerverbrecher.

Was hat uns besonders gefallen?

  • Die Porches – die Veranden der Häuser auf dem Land. Was für uns wohl eine Platzverschwendung wäre, ist hier normal: Der überdachte Vorbau, oft weiss gestrichen, mit Schaukel, Bank, Sitzeckchen… wohl einfach um der Gemütlichkeit und der Schönheit willen.
  • Die Unterschiedlichkeit der Landschaft. Berge? Kennst du, denkst du als Schweizer. Selten hat man sich so geirrt, als Schweizer. Ja, es gibt Berge und Hügel, die denen aus unserem kleinen Land ähnlich sehen. Diese machen aber nur einen klitzekleinen Teil der Bergwelt aus. Die Verschiedenartigkeit der Bergformen, der Klüfte und Bergspitzen, die Farben der Gesteine, die Vegetation – so viel Auswahl habe ich noch nie gesehen, bin noch nie von einer nicht enden wollenden Schönheit in die nächste gefahren. Man denkt, das kann nicht getoppt werden – und man steht vor der nächsten, ganz andersartigen Schönheit.

Gefreut haben wir uns…

…auf Temperaturen unter 40 Grad, auf unser Bett, auf unser Frühstück, aufs eigene Zimmer, auf unser Café und die Menschen hier. Wir wurden abgeholt, herzlich empfangen, und mit einem fertig und frisch gekochten Nachtessen, Blumen, einem frischen Hefezopf und zwei liebevollen Karten hier wieder begrüsst. #itssoprecioustohavefriends

Was bleibt…

…ist eine grosse Dankbarkeit für das Abenteuer, das wir erleben durften. Für die Schönheit, die wir sehen und berühren und erkundigen durften. Für die Gastfreundschaft und Liebe, denen wir in Los Angeles und in Dallas begegnet sind. Für die Tatsache, dass wir behütet und beschützt wurden. Dass unsere Beziehungen innerhalb der Familie sich neu geformt, vertieft und verändert haben. Dass Gott mit uns war: Deus adest. Hier, in der kleinen Schweiz. In den USA. Da wo du gerade bist. Es war keine Zeit für „stille Zeit“. Ausser auf dem stillen Örtchen war man ja praktisch nicht allein. (Kein Wunder, haben sich unsere Kinder und wir Erwachsenen in den labyrinthartigen Gängen des Walmarts manchmal für fast eine halbe Stunde „verlaufen“. Jede:r genoss es wohl, einmal alleine zu sein.) Aber erlebt haben wir Versorgung, Güte, Freundschaft, Bewahrung. Heilige Momente. Gott ist da. Da, wo wir gerade sind.

…so, und jetzt geht’s los mit der Foto-Flut!

Ein Gedanke zu „Wenn viele eine Reise tun…

  1. Bei der Größe des Grand Canyons würde ich wahrscheinlich den Mund nicht mehr zu kriegen vor Staunen.
    Ja, und die Weite, der nicht überbaute Raum des Mittleren Westens, und die Urgewalt der Rocky Mountains…. Dein Staunen kam jedenfalls angemessen rüber.
    Danke fürs Teilhaben lassen!
    Im nächsten Leben schaff ich es vielleicht auch mal dahin. Für dieses Leben sind meine Fernziele in Europa gut aufgehoben.

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