Heute

…sitze ich meinen Gedanken nachhängend auf dem Sofa, Blick nach draussen auf die Baustelle, die von einem riesigen Baum mit leuchtenden gelben Blättern verdeckt wird. Die Sonne scheint in die Blätter und zaubert eine wohlige Atmosphäre, die nur vom Geräusch des Laubbläsers durchbrochen wird. Eine Grausamkeit für viele Erwachsene, aber ein Highlight für unseren Elfjährigen, der heute „Zukunftstag“ hat, was bedeutet, dass er einen Tag ins Arbeitsleben eintaucht. Heute arbeitet er in unserer Kirche beim Siegrist mit, und darum habe ich das Vergnügen, immer wieder einen Blick auf meinen glückseligen Sohn zu erhaschen, der hingebungsvoll die fliegenden, farbigen Blätter mit Luft und Lärm auf einen Stapel scheucht.

…blogge ich endlich wieder einmal! Das Bloggen ist zu einem seltenen Vergnügen geworden. Den Platz füllen gerade ein zweites Buchprojekt, die Gemeindearbeit und neu das wiederaufgenommene Online-Theologie-Studium, das ich bei der Geburt unseres dritten Kindes pausiert habe und nun gerne noch beenden möchte. Immerhin war ich so klug, das Backen bis zur Abgabe des Manuskripts Ende Februar wesentlich zu reduzieren. Ich vermisse es und bin doch froh, dass zur Zeit fast keine Kuchen-Abgabe-Termine dazukommen.

…denke ich darüber nach, dass sich unser Familienleben hat sich seit Sommer ziemlich verändert hat. Die beiden grossen Jungs sind über Mittag nicht mehr zuhause, sondern wühlen sich durch die Probezeit ihrer Schulen. Der eine souverän und mit Leichtigkeit, der andere mit Grenzerfahrungen, beide mit Entschlossenheit. Es ist schön zu sehen, wie die Kinder immer mehr Verantwortung übernehmen, eigene Entscheidungen treffen und zu ungeahnten Einsichten kommen. Insgesamt ist unser Familienleben nochmals ein Stück mehr „Miteinander“ und „Füreinander“ geworden.

…bin ich wieder um 5h morgens aufgestanden (ihr Menschen mit kleinen Kindern: bitte weghören!), um in Ruhe mit Gott einen Kaffee zu trinken und zu beten. Seit dem Stundenplanwechsel ist „meine“ Zeit zwischen 6.00-7.30h morgens nun gefüllt mit Frühstück vorbereiten, Sandwiches streichen und überhastetem Zusammensuchen von Luftpumpe, Etui und Regenschutz. Vorbei ist’s mit der Ruhe, und meine Zweisamkeit mit Gott hat mir immer mehr gefehlt. Tagsüber gäbe es zwar mögliche Zeiträume, aber bin ich einmal im Lern- oder Schreibmodus, kann ich schlecht abschalten. Da ich das von mir weiss, habe ich den Versuch gewagt, früher aufzustehen und folglich auch früher zu Bett zu gehen. Es funktioniert erstaunlich gut – und ist so für den Moment genau das Richtige.

…bin ich dankbar für alles, was an mir gesund und stark ist. Ich habe es geschafft, mit die Strecksehne des Daumens durchzuschneiden und mir wenige Tage später den Fuss zu verknacksen. Ich trage noch bis nächste Woche eine Schiene an der linken Hand. Ausserdem habe ich einen unterirdischen Eisen-Wert und weiss nun endlich den Grund für meine Abgeschlagenheit. (Und das ist noch nicht einmal alles, aber ich möchte dich nicht mit meinen Wehwehchen langweilen.) Diese Zeiten, in denen ich so reduziert bin, machen mir bewusst, wie wenig ich die Dinge unter Kontrolle habe.

…freue ich mich wie verrückt auf unser Ehe-Wochenende, das wir dank meiner Eltern und lieber Freunde wie jedes Jahr feiern dürfen. Das Abenteuer beginnt heute Abend; wir fahren zu einer abgeschiedenen kleinen Ferienwohnung im Schwarzwald. Kontrastprogramm: Strasbourg und Freiburg! Hach! Kaffee trinken, fein essen, durch die Läden ziehen, Sightseeing… und das alles nur zu zweit. Wie gesegnet wir sind!

…ist November. Natürlich nicht nur heute. Der November ist so ein „Nichts-Monat“, den ich sehr liebe, denn er beinhaltet dramatisches Wetter, Geborgenheit und Ruhe. Er hat noch keine Hektik im Gepäck, sondern sein Thema ist zur Ruhe kommen, loslassen, Leere. So wie sich die Bäume langsam der schönen Blätterpracht entledigen, so entledigt sich das Jahr auch gemächlich des vergehenden Jahres. Passenderweise…

…lese ich gerade zwei Bücher parallel, die mit dem Zur-Ruhe-Kommen zu tun haben. „Stille“ von Manu Theobald, eine Sammlung kluger Texte, und „Slow Living“ von Christina Schöffler, das ich am liebsten nicht mehr aus der Hand legen würde. Liebe- und humorvoll und voller Tiefe die 52 Impulse, die schon während des Lesens eine innere Ruhe bewirken. Für mich eine essentielle Botschaft für diese Zeit – nicht nur für den November, sondern für das ganze Jahr. Danke, Christina!!!

Zum Vormerken: Am Freitag 3. März 2023 gibt es in unserem Café eine Buchlesung mit Christina! Yessss!

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