Helden dieser Zeit

Bloggen ist schön. Vor allem, wenn das Leben gut zu einem ist. Dann kann ich über Dankbarkeit und Segen schreiben, was ich liebe. Aber wenn Dinge passieren wie jetzt gerade auf der Welt, gestaltet sich die Sache ein wenig anders. Wie schwierig ist es, Worte zu finden dafür, was uns alle bewegt, verstört, verängstigt.

Kaum ist Corona „vorbei“ – in der Schweiz wurden fast alle Massnahmen im Februar abgeschafft – kommt die nächste Erschütterung. Der nächste Schock.

Das vorherrschende Gefühl, das sich meiner bemächtigt, ist Hilflosigkeit. Ich bin nicht in der Lage, dem Geschehen auf dieser Welt etwas entgegenzusetzen.

Gott sei Dank (!) da ist einer, der dem Leid der Welt etwas entgegengesetzt hat. Trost für die Trauernden. Barmherzigkeit für die Barmherzigen. Gotteskindschaft für Friedenstiftende:

Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Mt. 5

Auch wenn wir nichts davon sehen, fühlen, spüren, gar glauben: Wir dürfen auf diese Verheissungen hoffen, wir dürfen sie erflehen und erbitten, für uns und für alle notleidenden Menschen. Und indem wir das tun, sprechen wir Hoffnung. Wir sprechen Heilung. Wir sprechen Freiheit. Vielleicht nur als gehauchtes „Bitte!“ oder geatmetes „Herr, erbarme dich!“ Vielleicht nur mit unseren Tränen. Vielleicht nur mit dem Nebel, der uns manchmal umgibt.

*

Sowohl die Pandemie als auch der Krieg hinterlässt keine wirklichen Gewinner. Und wenn ich an uns Menschen denke, allen voran an Kinder, nicht nur an unsere eigenen, bricht es mir fast das Herz. Was mussten sie in ihren wenigen Lebensjahren schon mitmachen. Dinge, die früher, als ich Kind war, völlig fern und undenkbar waren. Darum: Ihr seid ihr heute meine Heldinnen und Helden! Das und noch viel mehr habt ihr getan (und tut ihr noch) in der Pandemie:

  • Ihr habt Masken getragen (oder tragt sie immer noch).
  • Ihr tut gehorsam, was man euch sagt.
  • Ihr haltet Verunsicherung von Lehrpersonen und Eltern aus.
  • Ihr wart oder seid in Isolation.
  • Ihr habt euch täglich auf neue Regeln eingestellt.
  • Ihr wurdet von heute auf morgen zu Experten für Teams und Zoom.
  • Ihr haltet Ungewissheiten aus.
  • Ihr vertraut.
  • Ihr habt Freunde vermisst.
  • Ihr habt eure Hoffnung nicht verloren.
  • Euch wurde ein Stück „normale“ Kindheit genommen, und ihr habt euch nicht beklagt.
  • Ihr habt jederzeit das Beste aus jeder erdenklichen Situation gemacht.
  • Euch ist klar geworden, dass sich das Leben von einer Stunde auf die andere komplett verändern kann, und ihr nehmt das hin.

Und kaum macht sich in vielen Teilen Europas wieder so etwas wie die Normalität breit, bricht ein entsetzlicher Krieg aus.

  • Ihr fürchtet euch.
  • Ihr stellt Fragen.
  • Ihr leidet mit.
  • Ihr wollt helfen, spenden, unterstützen.
  • Ihr lebt in einem neuen Normal.
  • Ihr interessiert euch für die Menschen, die Notleiden.
  • Ihr haltet Ungewissheiten aus.
  • Ihr seid da.
  • Ihr vertraut.

Ich feiere euch! Ihr seid meine Helden! Ohne den Schmerz und die Unsicherheit mit Serien, einem Glas Wein, sozialen Medien oder Schokolade wegfluten zu können, seid ihr einfach da. Ihr seid Kämpferinnen und Kämpfer! Ihr lebt, ihr steht, ihr vertraut. Ihr seid so stark!

Und auch wir Erwachsenen dürfen uns für einmal – und sei es noch so kurz – feiern. Denn auch wir haben nun seit zwei Jahren Ausnahmezustand.

  • Wir trösten.
  • Wir ermutigen, auch wenn wir uns hoffnungslos fühlen.
  • Wir sind da.
  • Wir machen unsere Arbeit.
  • Wir lassen Dinge durchgehen, weil…
  • …wird müde sind.
  • Wir fürchten uns.
  • Wir leiden mit.
  • Wir sind verstört.
  • Wir fürchten um unsere Zukunft und die unserer Kinder und Anvertrauten.
  • Wir putzen nicht so sauber, wie wir sollten.
  • Wir halten unsere eigenen Unvollkommenheiten aus.
  • Wir schreien unsere Kinder an und entschuldigen uns dafür.
  • Wir suchen gute Worte.
  • Wir umarmen.
  • Wir sind ungeduldig.
  • Wir beten.
  • Wir verzweifeln.
  • Wir vertrauen.
  • Wir leben.
  • Wir sind schwach, hilflos und bedürftig, aber wir stehen jeden Tag auf.

Wir leben auf Hoffnung hin. Aber wir leben. Und wir setzen dem Unrecht und dem Unglück dieser Welt damit diese Hoffnung entgegen. Jedes gute Wort, jedes Aufstehen, jedes Hinknien, jede Träne – sie weint und hofft und ersehnt Heilung, Gerechtigkeit, Frieden, Freiheit herbei.

Lasst uns nicht vergessen, dass auch wir Kämpferinnen und Kämpfer sind. Da, wo wir platziert sind. Und lasst uns das feiern! Erheben wir dankbar unsere Kaffee- oder Teetassen und prosten uns zu und rufen wir einander zu: „Du bist eine Heldin! Eine Heldin der Hoffnung. Ich feiere dich!“

Und nach dem Feiern flehen wir wieder. Herr, erbarme dich! Über den unterdrückten Menschen nicht nur in der Ukraine, sondern auch in Russland, Syrien, Afghanistan. Über unseren Kindern und Anbefohlenen. Über uns.

Es braucht nicht viele Worte. Wir beten «ohne Unterlass», indem unser Herz weich bleibt und wir immer wieder die Gegenwart Gottes suchen. Mit Worten. Oder mit Tränen. Mit Sanftheit. Mit Leere. Mit Verzweiflung. Mit Hoffnung.

Bitte verzeih, Februar. Du hast dich trotz meiner Worte im letzten Blogbeitrag als Monat mit sehr wunderbaren Momenten erwiesen.

5 Gedanken zu „Helden dieser Zeit

  1. Hat dies auf Raus aus der Affenfalle rebloggt und kommentierte:
    Mir fehlen zurzeit Muße und Worte, um in diesen Tagen einen Blogbeitrag zu schreiben. Der Kopf ist leer, während das Herz schwer ist. Was soll man schreiben, angesichts dieses sinnlosen Kriegs? Nichts, was helfen kann und was nicht hohl klingt im Angesicht des Leids der betroffenen Menschen…
    Da flattert gerade Sonjas Blogartikel herein. Ich lese und bin getröstet und ermutigt. Was sie schreibt, lässt mich die eigene Hilflosigkeit in einem anderen Licht sehen und ermutigt mich. Ich reblogge Sonjas Artikel und wünsche, dass auch du davon ermutigt wirst.

    Gefällt 2 Personen

  2. Danke euch von Herzen ❤ für das Bloggen und Rebloggen dieser wundervollen, mitfühlenden, erbauenden Worte. GOTT segne euch!!! Innige Grüße der Verbundenheit sendet euch Marlies

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  3. Liebe Sonja!
    Konnte deine Worte heute nochmal ganz in Ruhe lesen und fand sie so wahr, mutmachend und tröstlich! Und der Satz ist mit dann noch ganz besonders ins Herz gefallen:
    „Wir beten «ohne Unterlass», indem unser Herz weich bleibt und wir immer wieder die Gegenwart Gottes suchen.“
    Wow. Genau das möchte ich lernen. DANKE für dein Schreiben, deine guten Gedanken, für dein Gott suchen und Herz weich halten, du Heldin!!!!

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